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++ 2071: Mutan-Bestien gegen Roboter ++

Hach, schon als ich las, dass Ib Melchior als Autor und Regisseur für "The Time Travelers" von 1964 verantwortlich zeichnet, ging mir das Herz auf, erst recht natürlich, als ich den deutschen Titel "2071: Mutan-Bestien gegen Roboter" sah. Schließlich war Melchior als Drehbuch-Autor und/oder Regisseur an unvergesslichen Werken wie "The Angry Red Planet" (dt. "Weltraumschiff MR-1 gibt keine Antwort"), "Journey to the Seventh Planet" und "Terrore nello spazio" (dt. "Planet der Vampire") beteiligt.

Dies ist nicht, jedenfalls nicht nur, ironisch gemeint: Jeder der genannten Film verweist auf die ein oder andere Weise über seine jeweiligen oberflächlichen Exploitation-Werte hinaus und macht damit teilweise seine suboptimale Machart wett. Nicht anders steht es mit "The Time Travelers".

Einerseits handelt es sich bei "2071: Mutan-Bestien gegen Roboter" um einen sehr konventionellen Zeitreise-Film, wenn auch mit einem originellen Ende. Die eigentliche Geschichte exerziert etliche hinlänglich bekannte Elemente durch (vgl. "Die Zeitmaschine", "Planet der Affen", "World Without End", "Beyond the Time Barrier" und Co.): Durch einen Unfall landen einige Wissenschaftler in der Zukunft und finden eine postapokalyptische Erde vor, die nach einer globalen atomaren Katastrophe so gut wie unbewohnbar geworden ist. Auf der Oberfläche hausen höchst aggressive Mutanten, in einem unterirdischen Höhlensystem eine kleine, vom Aussterben bedrohte Gruppe "normaler" Menschen. Diese wollen mit Hilfe eines Raumschiffs und von Androiden die Erde Richtung Alpha Centauri verlassen, können die Zeitreisenden aber nicht mitnehmen, da diese nicht mehr mit an Bord passen. Diese müssen also einen Weg zurück in ihre Zeit finden, bevor einseits die Zukunftsmenschen die Zelte abbrechen und damit auch deren Infrastruktur zusammenbricht, andererseits die immer aufdringlicher werdenden Mutanten mit ihren Durchbruchsversuchen Erfolg haben.

Dabei wird nebenbei auch das ein oder andere Klischee mitgenommen, etwa, dass Wissenschaftler immer weiße Kittel anhaben, Techniker bzw. Arbeiter hingegen Blaumänner, dass Androiden grundsätzlich glatzköpfig sein müssen (ähnlich übrigens wie Mutanten), dass der Oberwissenschafter ein "von" im Namen hat (hier "von Steiner"; dessen Monokel ist allerdings etwas zuviel des "Guten"). Getanzt wird zwar nicht, aber immerhin gibt es Zukunftsmusik zu hören, die - ein eigenständiges Klischee - von einem Instrument erzeugt wird, das durch undefiniertes Hin- und Her-Wedeln der Hände gespielt wird.

Andererseits kann man "The Time Travelers" auch einen Film über Film lesen, der sein Material aus der Wesenheit des Filmmediums und dessen Interaktion mit dem Zuschauer bezieht (übrigens ebenfalls 1964 prägte Marshall McLuhan den Satz "The medium is the message"). Filme, nicht nur Science-Fiction-Filme oder Historien-Streifen, sind auf ihre Art Zeitmaschinen. Zum einen entführen sie den Zuschauer an einen anderen Ort, aber vor allem auch in eine andere Zeit. Zum anderen komprimieren sie (meist) Zeit oder dehnen sie (seltener). All dies wird in "The Time Travelers" expliziert.

Eigentlich wollten Dr. von Steiner und seine Kollegen nur eine Art "Zeitfenster" entwickeln: Einen Bildschirm, durch den man in andere Zeiten schauen kann. Durch unvorsichtigen Übereifer von Dr. Connors wird daraus ein Portal, durch das man nicht nur sehen, sondern treten kann. Dieser Bildschirm entspricht der Leinwand im Kino. Die besten Filme schaut man nicht nur an, sondern man versinkt in ihnen, tritt quasi in sie hinein. Der arglose Elektriker Danny steht in "The Time Travelers" für den Zuschauer. Dass Danny auf einer Ebene mit den Zuschauern steht, wird später im Film ganz explizit: Er ist der einzige in "The Time Travelers", der die filminterne Erzählschicht verlässt, als er in einer Szene direkt in Kamera schaut und die Zuschauer vor der Leinwand anspricht. Anfangs ist er ist nur Beobachter beim Treiben der Wissenschaftler, aber der erste, der bemerkt, dass das Zeitfenster nicht nur ein Bild, sondern ein Tor in eine andere Zeit ist, in die er auch als Erster eintritt: "This picture, it isn't just a picture" (NB: "picture" bedeutet im Englischen u.a. Film!) Bezeichnenderweise sind die Bilder aus der Zukunft, die man durch das Portal sehen kann, eine "rear projection", werden also hinter den Kulissen auf eine Leinweind übertragen, die dann im Film den Inhalt des Fensters/Portal ausmacht. Fenster und vor allem Bildschirme sind übrigens ein in "The Time Travelers" ständig wiederkehrendes Motiv, in krasser Ausprägung im Kontrollraum der Zukunftsmenschen mit seinen dutzenden Monitoren.

Auch auf's Kino und Film als solchen verweist zurück, dass die Trickaufnahmen sich teilweise bei den Techniken von Bühnenzauberkünstlern bedienen, etwa wenn bei einem beschädigten Androiden der Kopf ausgetauscht wird, was mit Hilfe der gleichen Methode realisiert wird, die beim Zersägen der Jungfrau verwendet wird: Einer der Pioniere der Special Effects und des Science-Fiction-Films, Georges Méliès, war ursprünglich ein Illusionist.

Auch die zeitverdichtende Funktion von Kino-Filmen setzt "The Time Travelers" um: Als es den Zeitreisenden gelingt, in ihre eigene Zeit zurückzukehren, stellen sie fest, dass ihre persönliche Zeit viel schneller abläuft als die ihrer Umgebung, was sie aber zur Flucht in eine sehr ferne Zukunft nutzen können. Woraufhin der Film in eine endlose Spirale geht: Anschließend sieht man wieder den Anfang des Films, der dann komplett durchläuft, aber in immer schnellerem Zeitraffer, bis er wieder beim Beginn ankommt und wieder schneller noch einmal abläuft, bis man keine einzelnen Einstellungen mehr unterscheiden kann. Der Zeitreise-Film im Zeitreise-Film im Zeitreise-Film verdichtet die Zeit immer mehr.

Zu guter Letzt kann man auch das Plakat zum Film als eine Kurzversion dieser Exegese lesen:

Step through "The Time Portal" beyond the crack in time and space where the fantastic world of the Future will freeze your blood with its weird horrors!

++ Kommentare ++

Den kenne ich und habe ihn auf VHS. Auch wenn der Film heute eher lächerlich wirkt, hat er irgendwas. Genauso wie ein ähnlicher Zeitreisefilm (Reise ins Zentrum der Zeit). Ich mag beide.
Soll ja noch zwei so ähnliche Filme aus der Zeit geben (Jenseits der Zeitschranke und Planet des Grauens). Die kenne ich leider nicht, da es sie nicht auf DVD oder VHS gibt bzw. sie nicht im Fernsehen laufen.

Auch ich kenne beide Filme:
2071 - Mutant Bestien gegen Roboter und Reise ins Zentrum der Zeit, die ich sogar noch in den Jugendvorstellungen in den 1970iger Jahren im Kino sehen konnte. Habe heute beide Filme hintereinander angesehen (Premiere sei dank - hatte sie dort aufgenommen) und musste feststellen, dass die Dialoge am Anfang und Ausgangssituationen die selbe bei beiden Filmen ist. Bei "Der Reise ins Zentrum der Zeit" werden sogar die gleichen Raketenszenen verwendet. Irgendwie scheint das auch schon ein Remake zu sein. Der Verdacht drängt sich da schon auf. 2017....hatte augenscheinlich jedoch das größere Budget. sewlbst der Schluss ist bei beiden Filmen der selbe - Wo bleiben die DVDs für meine Sammlung?????

"Journey to the Center of Time" ist in der Tat ein Remake, das explizit billig für die direkte Fernsehverwertung gedreht wurde. Sowas kam in den 60er Jahren bei einigen SF-Filmen vor; Speziell Larray Buchanan hat einige davon produziert, siehe auch http://en.wikipedia.org/wiki/Larry_Buchanan

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