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++ Creation of the Humanoids, The ++

Ist es abschreckend oder Werbung für "Creation of the Humanoids", wenn ich verrate, dass es einer der Lieblingsfilme von Andy Warhol war (von dem übrigens gegen Ende seines Lebens ein Warhol-Robot mit seinem Aussehen erstellt wurde, der für eine geplante, aber nie fertiggestellte Bühnenshow geplant war)? Arg erstaunlich ist es nicht, schließlich beschäftigten sich auch Warhols Siebdruck-Reihen Nicht-Identischen im Fast-Identischen. Oder umgekehrt? Oder gar nicht?

Ich glaub, ich bleib lieber bei trashiger Science Fiction. Andererseits fällt es schwer, angesichts "Creation of the Humanoids" nicht ins "Labern" zu fallen, denn auch dabei handelt es sich um einen unglaublich geschwätzigen Film.

Dieser teilt nämlich mit vielen Stanislaw-Lem-Romanen das Schicksal, dass die Ausbreitung philosophischer Ideen wichtiger als eine ausgefeilte oder zumindest mitreißende Geschichte scheint. Was an Geschichte vorhanden ist zusammengefasst:

Durch den dritten Weltkrieg, also natürlich einem verheerenden Atomkrieg, wurde der Großteil der Menschheit ausgerottet, und der kleine Rest ist nahezu unfruchtbar. Daher wurden Roboter entwickelt, die einen Großteil der zu verrichtenden Arbeiten übernehmen. Da aber die Menschen nicht gerne mit anonymen, sehr andersartigen Maschinen zusammenarbeiten, wurden Androiden entwickelt, die lebendigen Menschen zunehmend ähneln und die schließlich einen Großteil der "Bevölkerung" stellen.

Dies wiederum ruft den Widerstand des "Order of Flesh and Blood" hervor, einer Art Miliz, die den Einfluss der Androiden wieder verringern möchte. Eines der führenden Mitglieder des Ordens ist Cragis, aber ausgerechnet dessen Schwester geht schließlich eine eheähnliche Verbindung mit einerm Androiden namens "Pax" (sie ist mit "in rapport" mit ihm) ein. Damit hören die Schocks für Travis allerdings nicht auf, denn er erfährt schließlich, dass er selbst ein Android der Stufe 96 (100 wäre komplett menschengleich) ist, in den nach dem Tod seines menschlichen Vorbilds dessen sämtliche Erinnerungen und Charaktereigenschaften übertragen wurden. Dieses Verfahren haben die Roboter entwickeln lassen, aber wie sich herausstellt, nicht, um die Menschheit unauffällig durch ihresgleichen zu ersetzen, sondern weil ihren Berechnungen nach die Menschheit sowieso in absehbarer Zeit aussterben wird und sie so versuchen, das Überleben menschlichen Wesens zu sichern, weil dies genau die Aufgabe ist, für die sie geschaffen wurden.

Damit sind wir schon mittendrin im philosophischen Salat und nebenbei nicht weit weg von dem, was ziemlich genau zwanzig Jahre später in "Blade Runner" thematisiert werden würde. Wenn ich nicht weiß, dass ich ein Androide bin, sondern mich als Mensch fühle und als Mensch angesehen werde: Bin ich dann nicht einer? Reicht es, die Erfahrungen und Erinnerungen eines Menschen in ein anderes Gefäß zu verpflanzen, um den kompletten Menschen weiterleben zu lassen? Besteht noch ein Unterschied zwischen den hochentwickelsten Androiden und den Menschen? Die Frage nach der wesenseigenen Körperlichkeit des Menschen und wie sehr diese ihn ausmacht, wird in "Creation of the Humanoids" allerdings kaum berührt. Die Stufe-96-Androiden bemerken anscheinend nicht, dass ihr Blut grün ist und sie voller Kabel stecken. Andererseits folgender Dialog zwischen einem der Obermotz-Androiden und einem weiblichen Stufe-96-Geschöpf über ihre "Wiedererschaffung": "We did make you a bit thinner. You had a tendency to be plump." - "That's right! After that my clothes didn't fit. Thank you!" Einer der wenigen Lacher im Film, ob gewollt oder nicht...

Solcherlei Fragen und Ideen werden in "Creation of the Humanoids" diskutiert, und zwar mehr oder weniger ohne Pause. Es gibt nur wenige, allesamt sehr statische Bühnenbilder, kaum Special Effects (die Androiden vor Stufe 96 sind immerhin grünhäutig und glatzköpfig. Dass Androiden am besten mit Glatze kommen, wusste auch schon "Wild, Wild Planet") und weniger als wenig Action (immerhin gibt es einen frühelektronischen Soundtrack mit viel Gefiepe und Gepiepse). Stattdessen wird geredet und geredet. Und erstaunlicherweise wurde dies (mir) gar nicht mal langweilig. Neben den erwähnten Themen rund um das Wesen der Menschlichkeit kommen noch einige andere Ideen ganz nebenbei zur Sprache, vielleicht auch nur in einem Nebensatz, die verwandte Fragen aufwerfen, etwa rund um das Wesen der Liebe (der "Rapport" von Cragis' Schwester mit einem Androiden, dass man in der Zukunft anscheinend statt von einer "Ehe" explizit von einem "Vertrag" spricht) oder die Tatsache, dass statt Gefängnisstrafen Verbrechern einfach eine bestimmte Anzahl Jahre ihrer Erinnerungen gelöscht werden und welchen Effekt das auf ihre Persönlichkeit hat.

"Creation of the Humanoids" gibt es übrigens im Doppel-Pack zusammen mit "War of the Planets" auf DVD, eine durchaus sinnige Kopplung, schließlich werden in diesem ganz ähnliche Fragestellungen behandelt, wenn auch weit weniger aufdringlich und vordergründig, sondern verpackt in eine astreine trashige Space Opera.

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