++ Destination: Mars & Monarch of the Moon ++
++ Destination: Mars ++
Vor mehr als 50 Jahren produzierte Joseph P. McDonald einen ambitionierten Science-Fiction-Film, der aber wegen angeblicher kommunistischer Umtriebe verschiedener Crew-Mitglieder vom FBI beschlagnahmt und auf Eis gelegt wurde. Erst zu Beginn des 21. Jahrhunderts wurde er von Filmhistoriker wiederentdeckt, restauriert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Soweit die Legende, die zu Beginn der "Destination: Mars" DVD in einer mehrminütigen Pseudo-Dokumentation ausgebreitet wird. Denn in Wirklichkeit ist "Destination: Mars" das Werk der Gebrüder Lowry (Tor Lowry als Drehbuch-Autor und Special-Effects-Verantwortlicher, Richard Lowry als Regisseur und Filmkomponist), die in ihrer Freizeit mit geringsten Mitteln und viel, viel Herzblut Low-Budget-Genre-Filme produzieren und mit "Destination: Mars" ihr Faible für die Science Fiction der 50er ausleben und einen Film produzierten, der versucht, einem echten Produkt der klassischen Science-Fiction-Ära nahezukommen: trotz digitalem Drehs mit grobkörnigen, rauschenden Schwarz-Weiss-Bilder und entsprechend bearbeitetem Ton (ähnlich wie es Larry Blamire mit "The Lost Skeleton of Cadavra" anging).
Die Lowrys gaben sich obendrein mehr Mühe, die Darsteller auf 50ies zu trimmen als Blamire und schaffen so optisch eine hervorragende Annäherung an die Zeiten von Jack Arnold, Roger Corman und vor allem Ed Wood. Die ebenfalls im Stil der 50er Jahre gehaltene Filmmusik kann ihre Herkunft aus dem Sampler allerdings nicht so gut verbergen. Und Kameraführung und Schnitte sind etwas zu gut. Es gibt zu viele Einstellungen und Gegenschnitte für einen 50er Jahre Film, was andererseits für die Lowrys als Filmemacher spricht, da sie - wie man dem informativen Audio-Kommentar zum Film auf der DVD entnehmen kann - "Destination: Mars" in nicht weniger widrigen Umständen und mit nicht mehr Geld und Zeit als viele der Vorbildfilme auf die Beine stellten.
Auch die Lowrys greifen tief in die Klischeekiste und ziehen u.a. etliche heraus, die in "The Lost Skeleton of Cadavra" zu kurz kamen: Großzügiger Einsatz von Archiv-Filmaufnahmen, unbeholfene Schauspieler in klobigen Roboterkostümen, unmotivierte Gesangseinlagen etc. etc. Der Plot kombiniert "Der Tag an dem die Erde still stand" mit "Fliegende Untertassen greifen an" und "Plan 9 from Outer Space".
Vor allem zu letzteren passen die vielen liebevoll eingebauten Fehler und Absurditäten im Film. Dies reicht von Anspielungen für Fans wie ungelenke Polizisten, die sich gegenseitig mit ihren Knarren im Gesicht rum fummeln (siehe "Plan 9") oder rollende Bürostühle und Filmrollen als Kulissen im außerirdischen Raumschiff (vergl. "Cat-Women of the Moon") über Roboter, denen Revolver-Kugeln nichts ausmachen, die sich aber von einem leichten Faustschlag außer Gefecht setzen lassen, bis hin zu bewusst krassen Anschlussfehlern und Mikrophonen, die sichtbar ins Bild ragen (aber in der Postproduktion nachträglich digital eingefügt wurde...) und pro Einzelbild nachträglich händisch eingefügtem Mündungsfeuer und Stromblitzen.
Manchmal hat man zwar das Gefühl, als ob sich der Film nicht recht entscheiden kann, ob er eine Parodie (so werden die meisten Schauspieler geführt) oder eine reinrassige Rekreation ist (Look und Feel), aber vor allem für Genre-Freunde wie mich ist er so oder so eine sehr vergnügliche Angelegenheit. Wer aber mit den Originalen schon nicht viel anfangen kann, dürfte sich eher am Kopf kratzen.
++ Monarch of the Moon ++
Aus dem gleichen Hause wie "Destination: Mars" kommt "Monarch of the Moon", die "Flash Gordon"- und "Buck Rogers"-Hommage der Lowrys, die allerdings mit selbst für ein Serial schwer überzeichneten Charakteren noch deutlicher als überdrehte Parodie angelegt ist: Ein "patriotisches" SciFi-Serial mit sechs Kapiteln, das während des zweiten Weltkriegs spielt: Der böse Mond-Monarch versucht mit Hilfe der Achsenmächte Japan und Nazi-Deutschland, seinem Henkersknecht, der "Libelle", ferngesteuerter Atom-U-Boote und dem violetten Todesstrahl, die USA so stark zu schwächen, dass er die Erde erobern kann, um für seine aussterbenden Rasse neuen Lebensraum zu bekommen...
Natürlich hat jeder Teil des Serials stilecht ein Cliffhanger-Ende, das zu Beginn der nächsten Folge aufgelöst wird - indem Szenen gezeigt werden, die am Ende des vorhergehenden Teils nicht zu sehen waren. Dazu kommen eine trippelnde Sekretärin, ein eifriger Pfadfinder-Sidekick, ein versoffener Pilot, ein gutmütiger General, auf schlecht getrimmte Special Effects, Ausdruckstanz, Böse Nazis und Japaner mit fiesen Akzenten und Azteken-Pyramiden mitten in Mexiko, die von einem orientalischen Hohepriester bewacht werden, wenn sie nicht von den Nazis als Basis für die Kommunikation mit dem Mond benutzt werden.
Es passt nicht ganz, dass "Monarch of the Moon" ursprünglich in Farbe präsentiert wurde, aber im Audio-Kommentar erklären Regisseur und Produzent, dass sie mit "Destination: Mars" die Erfahrung gemacht hatten, dass sich ein Schwarzweiß-Film kaum an Vertriebe etc. verkaufen ließ. Auf der DVD kann man sich aber alternativ auch eine Schwarzweiß-Fassung ansehen, die die Optik etwas näher an das Original-Erlebnis eines Serials heranbringt. Denn abgesehen davon, dass es solche Serien-Filme nur in Schwarzweiß gab, sieht man den farbigen Bildern trotz erneuter Nachbearbeitung in Richtung antiker Look stellenweise deutlich ihre digitale Entstehung an. Da "Monarch of the Moon" obendrein etwas zu augenzwinkernd daher kommt, ist "Destination: Mars" insgesamt der überzeugendere Film. Da es aber beide nur im gemeinsamen, aber vergleichsweise günstigen, Doppel-Pack auf DVD gibt, spielt dies für eine Kaufentscheidung keine große Rolle :-). Nominell ist "Destination: Mars" der Bonus-Film zu "Monarch of the Moon". Aber das kann man auch einfach andersrum sehen.


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