++ Endstation Mond ++
Wenn Apollo 13 nicht auf einer wahren Geschichte beruhen würde, müsste man fast feststellen, dass er bei "Destination Moon" (dt. "Endstation Mond") abgekupfert sei. Hat er aber nicht, und stattdessen bleibt zu bemerken, dass "Destination Moon" für sein Entstehungsjahr 1950 in vielen Punkten verdammt nah an die Weltraumfahrt-Realität herankam, jedenfalls deutlich näher als zeitgenössische und deutlich spätere Filme. Die Orientierungs- und Schwerelosigkeit im All, die karge Mondlandschaft, die dort reduzierte Gravitation und nicht vorhandene Atmosphäre - all dies wird erstaunlich realistisch und auch prophetisch dargestellt.
Seltsam ist aber, dass die erste Mondfahrt von einem privaten Konsortium unternommen wird, das glaubt, den Mond für die westliche Welt beanspruchen zu müssen, damit die bösen Anderen (also der Ostblock) nicht zuerst dort landen und damit den Globus aus dem All nach Belieben mit Raketen bestreichen könnten. Und da die Regierung in Friedenszeiten dafür keinen Sinn habe, müssten die amerikanischen Großunternehmen diese Aufgabe schultern. Aber vielleicht war auch dies prophetisch, denn die USA stiegen ja erst nach dem Sputnik-Schock ernsthaft in den Wettlauf ins All ein.
In der Tat wirkt "Destination Moon" in manchen Momenten wie ein Propaganda-Film für die Eroberung des Weltraums. Es gibt sogar als Film im Film einen aufklärenden Woody-Woodpecker-Cartoon, der den versammelten Unternehmen die Prinzipien des Raketenflugs näher bringen soll.
Bei allem lobenswerten Realismus sorgt dieser Charakter des Films allerdings auch dafür, dass er im großen und ganzen recht trockene Kost bietet und seine Geschichte ohne große Überraschungen geradeaus verläuft: Da die Mondrakete einen Atomantrieb hat, rührt sich Widerstand gegen die geplanten Tests. Das Zeit- und Geld-Budget ist sowieso schon überzogen. Bevor die Protestler das Gelingen des Unternehmens komplett verhindern können, startet die vierköpfige Crew überhastet und verbraucht bei Landung auf dem Mond zuviel Treibstoff. Dies gefährdet natürlich den Rückflug (hier kommen wir jetzt langsam immer weiter ins Apollo-13-Territorium), und unseren Helden droht, auf dem Mond gestrandet zu bleiben und damit zum Tode verurteilt zu sein. Natürlich - das kann man verraten, weil wer würde es bei einem Hollywood-Produkt mit propagandistischen Untertönen anders erwarten? - können sie dieses Schicksal mit Beharrlichkeit und kreativer Improvisationskunst abwenden.
Also doch nicht "Endstation Mond", und es bleibt die Botschaft: Jungs, mit amerikanischem Unternehmungs- und Unternehmergeist können wir es schaffen, heil auf den Mond und zurück zu kommen. Trotzdem hat es nach "Destination Moon" noch 19 Jahre gedauert, bis die Wirklichkeit zu Hollywood aufgeschlossen hatte.


Im Juni 2010 kommt der Klassiker "Destination Moon" auf DVD in Deutsch raus! Bin mal gespannt, denn ich wollte den Film immer schon mal sehen
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