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++ Donovans Hirn ++

Im frei empfangbaren deutschen Fernsehen ist klassische Science Fiction aus den 50er und 60er Jahren momentan eher Mangelware. Die 70er sind besser repräsentiert: Neben den Kassenschlagern von George Lucas oder Steven Spielberg laufen immer wieder auch Filme wie "Lautlos im Weltraum", "Flucht ins 23. Jahrhundert" oder "Dark Star". Als Fan auch der kleineren, älteren B-Movies freut man sich, wenn es ein Film wie "Donovan's Brain" (dt. "Donovans Hirn") ausnahmsweise mal ins TV-Programm schafft, etwa im Juli 2007 im WDR-Fernsehen oder am 23.10.07 in der ARD, wenn auch jeweils tief im Nachtprogramm versteckt.

"Donovans Hirn" ist eine von mehreren Verfilmungen des gleichnamigen Romans des deutschen Autors Curt Siodmak und gehört in die gleiche Familie wie "The Brain That Wouldn't Die". Aber während dort der Wissenschaftler der Bösewicht und das titelgebende Hirn das Opfer war, sind hier die Verhältnisse umgedreht: Der Arzt Dr. Cory experimentiert damit, Affenhirne in einer Nährstofflösung unabhängig vom Körper am Leben zu halten. Als bei einem Flugzeugabsturz in der Nähe seines abgelegenen Landhauses der Millionär Donovan ums Leben kommt und Cory und der örtliche Landarzt, sein Freund Schratt, nichts mehr für Donovan tun können, entfernt Cory heimlich Donovans Hirn und stellt fest, dass dieses noch Lebenszeichen von sich gibt, nachdem er es in den Tank gepackt hat.

Tatsächlich wächst Donovans Hirn und Cory kann telepathisch mit ihm Verbindung aufnehmen. Donovan war zu Lebzeiten ruch- und skrupellos, und sein Hirn hat sich diese Eigenschaften bewahrt: Er "übernimmt" Corys Körper, der sogar Donovans Eigenheiten wie das Nachziehen des linken Beins aufnimmt, und setzt mit dessen Hilfe seine zwielichtigen Geschäfte zur Steuervermeidung fort, während Schratt und Corys Ehefrau Janice taten- und hilflos zusehen - bis Cory in einem der zunehmend selteneren Momente, in denen er noch er selbst ist, seiner Frau die entscheidenden Anweisungen gibt, um das dominante Hirn auszuschalten.

"Donovan's Brain" ist ein unspektakulärer, aber nicht uneffektiver kleiner Film. Das Hirn schwimmt ohne große Schockeffekte in seinem Tank (ein umgebautes Aquarium). Das Augenmerk liegt vor allem auf Corys Tranformation, die von Lew Ayres durchaus nachvollziehbar rein schauspielerisch und ohne Make-Up oder Spezialeffekte dargestellt wird.

Trotzdem plagen den Film ein paar Probleme: Zum einen scheint nicht ganz einsichtig, warum sich z.B. Donovans Kinder und Anwälte von einem anscheinend dahergelaufenen Arzt bedingungslos und ohne groß nachzufragen herumschubsen lassen. Im Gegenteil: Wenn derjenige, auf dessen Tisch der Millionär verstorben ist, plötzlich mit von Donovan ausgestellten Schecks und Urkunden daher kommt, sollte man erst recht misstrauisch werden und weitergehendende Verfahren einleiten.

Zum anderen wirkt ein "Hirn im Tank" nunmal nicht wie ein bedrohlicher Gegner, insbesondere nachdem im Film festgestellt wird, dass sich Donovans Hirn immer nur auf eine Person gleichzeitig konzentrieren und diese beeinflussen kann. Damit wäre ein Besuch bei dem böswilligen Hirn, das immer stärker Corys Persönlichkeit unterdrückt, zu zweit und mit einem großen Hackebeil sowohl angebracht als auch nicht allzu gefährlich.

Trotzdem: Durch den Verzicht auf allzu lächerlich-überzogene Horrorszenen, die selbstverständlich-zurückhaltende Präsentation des eigentlichen Science-Fiction-Anteils sowie die Konzentration auf die Auswirkungen, die eine machtvoll-bösartige Person auch nach ihrem Ableben noch auf ihr Umfeld haben kann, bleibt "Donovans Hirn" alles in allem ein angenehmer kleiner 50er-Jahre-Film aus dem Science-Fiction-Umfeld.

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