++ ++

++ Erste Fahrt zum Mond, Die ++

Die englische Schreibweise des Filmtitels wirkt auf den ersten Blick wie ein Tippfehler: "First Men in the Moon". Stimmt aber so, denn es geht nicht nur um "die erste Fahrt zum Mond" (der deutsche Titel), sondern auch um eine Reise in dessen Inneres. Inhaltlich, aber auch stilistisch steht diese Produktion nach einem Roman von H.G. Wells weniger in der Tradition klassischer Science-Fiction-Filme, als in einer Reihe mit Werken wie "Reise zum Mittelpunkt der Erde" und "Die Zeitmaschine": Aufwändige, bunte Kulissen, Trickaufnahmen von Großmeister Ray Harryhausen sowie eine Geschichte, die großteils im spät-viktorianischen England angesiedelt ist.

Die Rahmenhandlung des Film entstammt einer durchaus netten Idee: Während der "ersten" Mondlandung findet die verschiedenen Nationen entstammende UN-Crew zu ihrem großen Erstaunen auf dem Mond eine alte britische Flagge sowie ein Dokument, das den Mond im Jahre 1899 für Königin Victoria beansprucht. Ein Recherche-Team auf der Erde macht anhand der Namen auf dem Papier den inzwischen uralten Arnold Bedford ausfindig, der folgendes zum besten gibt:

Der Wissenschaftler Joseph Cavor hatte 1899 eine schwerkraftabstoßende Paste erfunden, mit deren Hilfe er und sein sich in Geldnöten befindender Nachbar Arnold Bedford sowie dessen Verlobte Kate Callender zum Mond fliogen. Dort fanden sie neben einer Stop-Motion-Riesenraupe eine unterirdische (oder eher untermondische?) Zivilisation insektenartiger Wesen vor, mit denen sie, wegen Voreiligkeit und mangelndem Einfühlungsvermögen und nicht unbedingt wegen feindlicher Absichten der "Seleniten", aneinander gerieten. Bedford und Callender konnten schließlich fliehen, während Cavor auf dem Mond zurück blieb.

Das Astronauten-Team stellt anschließend fest, dass das Seleniten-Reich anscheinend inzwischen zerfallen ist, wahrscheinlich dahin gerafft von den Grippe-Viren, die durch Cavors Erkältung auf den Mond eingeschleppt wurden (vergl. das analoge Ende von "Kampf der Welten").

"Die erste Fahrt zum Mond" hat trotz der an sich interessaten Plot-Konstruktion ein Problem: Dem Film fehlt der Charme der oben erwähnten ähnlichen Produktionen. Dies ist zu großen Teilen den wenig sympathischen Hauptfiguren anzulasten. Der Wissenschaftler Jospeh Cavor, der die schwerkraftabstoßende Paste "Cavorite" erfindet, soll wohl komisch wirken, sein ständiges Gehampel, Gefuchten und Gebrülle nervt aber nur. Sein schließlicher Kompagnon Arnold Bedford ist ein windiger Xenophobe, der keinerlei Sinn für das Wundersame ihrer Entdeckungen hat und die Außerirdischen lieber schneller als langsamer um die Ecke bringt. Callender bleibt komplett blass, ihre Rolle scheint vor allem deshalb Teil der Geschichte zu sein, damit überhaupt eine Frau vorkommt.

Immerhin: Für Monster- und Tricktechnikfreunde gibt es im Breitwand-Format einiges von Ray Harryhausens - wie immer - sehr ordentlicher Dynamation zu sehen, und auch die schönen, aufwändigen Kulissen und ein paar nette Einstellungen machen Spaß. Trotzdem wirkt "First Men in the Moon" alles in allem eher wie eine verpasste Chance. Vielleicht war 1964 aber auch die Zeit der großen scifi-angehauchten Abenteuerfilme einfach vorbei.

++ Kommentare ++

++ Kommentar hinzufügen ++

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.