++ FBI jagt Phantom ++
Es gibt nicht nur B-Movies, sondern auch B-Stars. Namen, die man zwar kennt und die auf Plaketen von Filmen aus der zweiten Reihe groß abgedruckt sind, aber - möglicherweise entgegen Produzentenhoffnungen - keine Publikumslieblinge, d.h. echte Kassenmagnete sind. Ein solcher war wohl auch George Nader, hierzulande wahrscheinlich vor allem als Jerry-Cotton-Darsteller bekannt.
In "FBI jagt Phantom" (englisch "The Human Duplicators") von Regisseur Hugo Grimaldi spielt er zwar nicht diese Figur, aber auch einen Agenten, der es mit einer außerirdischen Macht zu tun bekommt. Diese ersetzt führende menschliche Wissenschaftler durch Androiden-Doppelgänger, um schrittweise die Erde zu übernehmen. Federführender Handlanger der aggressiven nicht-irdischen Über-Intelligentia ist der passend benamste "Dr. Kolos", gespielt vom Prä-"Beißer" Richard Kiel.
"FBI jagt Phantom" schwankt, wie man der Inhaltszusammenfassung bereits entnehmen kann, zwischen Science Fiction und Agenten-Thriller, überzeugt aber in keinem der beiden Genres - was ich nach Grimaldis "The Phantom Planet" aber auch nicht erwartet hätte. Naja, wenigsten sind die anscheinend aus mit ein wenig Elektroschrott gefüllen Ton-Hüllen bestehenden Androiden hübsch trashig. Mal werden sie als mit roher Gewalt nicht besiegbar gezeigt (da hilft natürlich nur eine seltsame Strahlenwaffe), mal zerplatzen sie, sobald sie auf den Boden fallen.
Der Agententeil der Geschichte ist aber reichlich unspannend und vorhersehbar, ebenso wie die Auflösung: Kolos verliebt sich nämlich in Lisa, die blinde Nichte (gespielt von der reizenden Dolores Faith, ebenfalls eine "Phantom Planet"-Veteranin) des Professors, bei dem er sich eingenistet hat, was in letzten Endes zum Wider- und Aufstand gegen seine Herren führt. Wieder einmal weist die Liebe Weg, nur mit dem Herzen sieht man gut, yadda yadda - was im Film aber auch gleich zu Beginn expliziert wird: Die blinde Lisa zeigt Kolos in der zweiten oder dritten Szene den Weg durch's Haus ihres Onkel. So wird die Metapher wörtlich genommen und dadurch wieder zu einer Metapher zweiten Grades, könnte man sagen.
Also: Liebe gut, aber große Intelligenz ohne nicht. Denn die Androiden werden nicht nur als Ebenbild ihrer Vorbilder geformt, sondern bekommen auch deren Erinnerungen und intellektuelle Fähigkeiten übertragen - haben aber keine Emotionen. Deshalb lassen sie sich einerseits führen, andererseits aber eben auch nicht von gesetzten Zielen abbringen, wie Kolos schmerzlich feststellen muss: "You must never create a robot that can out-smart you."
Der interessanteste Punkt an "The Human Duplicators" ist vielleicht, dass es sich zwar gewissermaßen um eine Variante der Frankenstein-Geschichte handelt (Wissenschaftler schafft künstliches Wesen, das seiner Kontrolle entgleitet), hier aber der Schöpfer wie das Monster aussieht (denn Kiel/Kolos Kolos ähnelt von Statur und Phyiognomie dem Karloffschen Frankenstein-Monster), die Kreaturen - die Androiden - aber normal-menschlich, aber letztenendes die wahren Monster sind, voller Intelligenz, aber ohne Gefühle.


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