++ Formicula ++
Huch, da muss man den deutschen Übersetzern des 1954er Films "Them!" eine Art Humor bestätigen, da sie "Ameis'chen" (das bedeutet "Formicula" übersetzt, wenn ich mich nicht irre) als deutsche Version des Filmtitels wählten. Schließlich geht es hier um Riesenameisen (die ihre monströse Größe natürlich Atombombentests in einer amerikanischen Wüste verdanken). Allerdings geht Lateinkundigen und/oder Biologen dadurch ein Teil der Spannung verloren, den der unkonkrete, aber ansatzweise bedrohliche Original-Titel verspricht, was im Übrigen auch damit einher geht, dass die Bedrohung in den ersten 25 Minuten der Laufzeit unerkannt und damit ungenannt bleibt.
Tatsächlich ist "Them!" bzw. "Formicula" in dieser Zeit einigermaßen spannend und nutzt effektiv das Wüsten-Setting, ähnlich wie es auch Jack Arnold in manchen Filmen gerne tat - und macht dann einen ziemlichen Schwenk durch: Statt des erwarteten Kleinstadt-Kammerspiels geht's plötzlich mit einem Besuch im ausgeräucherten Bau der Riesenameisen in die vollen, Regierung und Militärs werden eingeschaltet, und der Film springt von Schauplatz zu Schauplatz, bis es schließlich in LA zum actionreichen Showdown zwischen Ameisen und Menschen kommt.
Dieser Eindruck eines vermeintliche Bruch mag aber auch daher rühren, dass "Formicula" ein recht früher "Bug Monster"-/Riesen-Insekten-Scifi-Film, der noch nicht in den späteren Konventionen des Genres erstarrt ist, sondern diese mitbegründete. In der Tat ist er auch filmisch deutlich ansprechender und sichtlich teurer gemacht als viele der billigen späteren Imitationen. Dieses höhere Budget eröffnete den Machern wohl die Möglichkeit, sich vom dem einen Provinz-Setting zu verabschieden und an verschiedenen Orten zu drehen, mehr Schauspieler einzusetzen sowie aufwändigere Sets zu bauen.
Nicht allzu viel erwarten darf man natürlich von den Special Effects, auch wenn diese sogar für einen Oscar nomiert waren. Die Ameisen-Puppen (lebensgroße, d.h. übergroße immerhin) sehen nicht unbedingt überzeugend aus - wirken andererseits aber handfester als viele der modernen Computer-Graphik-Kreationen...
A propos modern: Die deutsche DVD-Version von "Formicula" ist sehr zu empfehlen, da sie nicht nur sehr gute Bildqualität hat, sondern neben dem deutschen Ton auch die englische Tonspur und englische Untertitel enthält. Fein.


Zum dt. Filmtitel "Formicula":
Mit Übersetzer"humor" hat das nix zu tun.
Vielmehr wollte man einen sprachlichen und somit kommerziellen Brückenschlag zum Film "Tarantula" machen, der einige Jahren vorher in Deutschland lief.
Desweiteren hat ein guter, alter SF-Bekannter bei "Them!" ein kleine Nebenrolle: Mr. Spock AKA Leonard Nimoy.
Der Titel "Formicula" lehnte sich klanglich an "Tarantula" an, wie JoergHH richtig anmerkt. "Tarantula" wurde erst ein Jahr nach "Them!" gedreht, allerdings lief "Formicula" bei uns in Deutschland erst im September 1960, also später als "Tarantula", im Kino an. Da beide Filme inhaltlich sehr nah beieinander sind, ist die im Namen anklingende Verknüpfung auch okay, zumal sich der geniale Filmtitel "Them!" kaum ebenso genial ins Deutsche übertragen lässt.
Wer das furchtbar lustlos hingeschluderte Cover der deutschen DVD verabscheut, kann getrost zur englischen DVD greifen (nicht aber der amerikanischen!). Sie ist technisch und inhaltlich mit der deutschen identisch (d. h. sie enthält neben der englischen und spanischen auch die deutsche Tonspur, sogar die Menuführung ist auf deutsch!). Aber sie hat das viel ansprechendere originale Kinoplakat als Cover, überdies ist sie bei Amazon auch noch günstiger als die deutsche DVD.
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