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++ Große Verhau, Der ++

Westdeutschland hat nicht sehr viele genuine Kino-Science-Fiction hervorgebracht. Filme mit Science-Fiction-Themen gibt es, aber klassische Space Operas, überhaupt Filme, in denen Raumfahrt betrieben wird, sind Mangelware. Also war ich dankbar, als ich zum ersten Mal von "Willi Tobler und der Untergang der 6. Flotte" a.k.a. "Zu böser Schlacht schleich ich heut nacht so bang" von Alexander Kluge - gemeinhin als Filmemacher und Schriftsteller/Publizist bezeichnet - hörte, auch wenn die Titel nicht gerade klassisches SciFi-Fastfood erwarten lassen. Der Name "Alexander Kluge" war und ist mir allerdings kein echter Begriff, außer dass er nach Feuilleton riecht...

Besagter "Willi Tobler und der Untergang der 6. Flotte" (dazu später mehr) ist vor kurzem im Rahmen einer Werkretrospektive Kluges auf DVD erschienen und zusammen mit Kluges zweiten Science-Fiction-Spielfilm, dem vorliegenden "Der große Verhau", als Doppel-DVD erhältlich.

Eigentlich möchte ich Science Fiction in im Zusammenhang mit "Der große Verhau" in Anführungszeichen setzen, aber das wäre nicht fair. Immerhin gibt es hier jede Menge Trickaufnahmen von Raumschiffen auf interplanetaren Reisen, sogar die ein oder andere Raumschlacht sowie Modellaufnahmen von Städten und Fabriken auf fremden Planeten. Zwar sind die Tricks nie auch nur annähernd überzeugend im Sinne des Erzeugens eines Gefühls von Realismus, aber die anscheinend aus ausgeschlachteten Haushältsgeräten und ähnlichem zusammengeschraubten Raumschiff-Modelle haben beträchtlichen Low-Budget-Charme und eine ganz eigene, fast steampunkige Anmutung.

Davon abgesehen ist "Der große Verhau" aber so anders als fast alle Science Fiction aus der gleichen Zeit und von vorher, dass er deutlich aus dem Rahmen fällt. Zwar versuchen sich auch andere SciFi-Filme an soziologischen und philosophischen Kommentaren, aber wenige geben sich so vom Look her dabei so kompromisslos "schäbig" - zumindest von denen, die ich kenne (allerdings vermute ich, dass die ein oder andere Ostblock-Science-Fiction, speziell aus Polen, von der auf dem neunten Planeten noch zu sprechen sein wird, in eine ähnlich Kerbe schlägt). Es gibt keine aufwändigen Studio-Bauten und Kulissen: Alte Fabrikgelände, Scheunen und Wohnungen, in die etwas Spät-Sechziger-Elektronik gestopft wurde, müssen als Raumschiff-Inneres oder Planeten-Zentralen herhalten.

Dazu kommt die eigenwillige Optik und filmische Umsetzung: Die Spielszenen haben sehr pseudo-dokumentarischen Charakter, meist nah dran an den handelnden Personen mit Handkamera gefilmt, oft in Schwarzweiß oder zumindest sehr fahlen Farben, die Darsteller verhaspeln sich gelegentlich in ihrem Text und/oder wirken so, als ob sie den genauen Wortlauf improvisieren. Dazu kommt, dass "Der große Verhau" über lange Strecken eher wie ein Stummfilm funktioniert: Große Teile der Geschichte werden über teilweise handgemalte Texttafeln erzählt, während die Bilder dazwischen oft nur mit altertümlicher Musik unterlegt sind.

Außerdem wird hier keine geschlossene Geschichte erzählt, sondern ein paar wiederkehrende Charaktere sprunghaft in Episoden begleitet, etwa das Senioren-Ehepaar Sterr (beide mit süßem bayerischen Akzent vor sich hin nuschelnd) , das als sogenannte Akkumulateure havarierte Raumschiffe plündert und ihre Beute aufpoliert und verhökert, den Raumpiloten Carl Douglas, der für der eine kleine interstellare Transport-Firma arbeitet und den Admiral Bohm, mit seinem neuen Mega-Schlachtkreuzer, der schnell explodiert, woraufhin Bohm sich Schrotthändler-Geier vom Hals halten muss etc.

Neben der eigenwilligen optischen Art des Films ist es dieser überwiegende Fokus auf "kleine", normale Leute, die irgendwie in einer Zukunft klar kommen müssen, in der die Galaxis vom Monopol der Suez Kanal Gesellschaft beherrscht wird, der den "großen Verhau" deutlich von anderen zeitgenössischen internationalen Science-Fiction-Produktionen unterscheidet.

Zwar ist das ganze langsam, bizarr, spröde und auch etwas dröge, aber nicht zu langweilig, was vor allem an dem lakonischen, satirischen Humor liegt, der in den bizarren Situationen immer wieder durchscheint. Trotzdem: Sicher kein Film nach jedermanns Gusto.

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