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++ Hydra - Verschollen in Galaxis 4 ++

Wenn es von einem Film einen deutschen Titel gibt, nehme ich diesen normalerweise auch als Titel des entsprechenden Eintrags auf dem neunten Planeten (auch bzw. eben weil es mich immer wieder amüsiert, von wie vielen Billig-Gurken es tatsächlich deutsche Versionen gibt). Bei "The Doomsday Machine" bin ich versucht, von dieser Regel abzuweichen. Denn der Titel "Hydra - Verschollen in Galaxis 4" hat mit der Original-Version, die mir als Teil des "Nightmare Worlds"-50-Filme-Boxsets vorliegt, nichts zu tun. Es gibt in "The Doomsday Machine" keine "Hydra" (das Raumschiff heißt dort "Astra"), eine "Galaxis 4" gibt es überhaupt nicht, und verschollen ist eigentlich auch niemand.

Jedenfalls nicht absichtlich, im Sinne von: Es gehört zur Geschichte. Denn ein Teil der Charaktere fällt am Ende des Films einfach unter den filmischen Tisch, was aber der Produktionsgeschichte von "The Doomsday Machine" geschuldet ist.

Der Großteil des Drehs fand nämlich 1967 statt, aber erst 1972 wurde der Film notdürftig fertiggestellt, allerdings ohne Mitwirkung der Originalbesetzung, so dass einige Szenen in einer schwer unterbelichteten Raumschiffkulisse mit zwei weiteren Darstellern nachgedreht wurden, die nie ihre Raumhelme abnehmen, damit man ihre Gesichter nicht sieht. Was aus den drei anderen noch lebenden Figuren des Films wird, bleibt vollkommen offen, und auch die beiden anderen werden mit einem offensichtlichen Deus Ex Machina konfrontiert, was nur dazu dient, ein notdürftiges Filmende herbeizuzaubern.

Außerdem wurde für die Trickaufnahmen bei anderen Filmen geräubert, einem japanischen Streifen und - ausgerechnet - "The Wizard of Mars", was zur Folge hat, dass das Raumschiff/die Rakete "Astra" von einer zur nächsten Einstellung vollkommen unterschiedlich aussieht, mal wie eine klassische Rakete, mal wie eine Raumstation.

Schade eigentlich. Zwar ist "The Doomsday Machine" auch in den noch 1967 fertiggestellten Szenen bei weitem kein Genre-Highlight, sondern wirkt eher - ähnlich wie "Endstation Mars" - wie ein leicht angestaubtes Relikt des 50er Jahre Science-Fiction-Films mit einer gar nicht uninteressanten Prämisse: Spione finden heraus, dass China eine Superwaffe (die titelgebende "Weltuntergangsmaschine") entwickelt hat, die bei Einsatz die komplette Zerstörung des Planeten Erde zur Folge hätte. Daher wird unvermittelt die halbe Besatzung der amerikanischen Astra kurz vor dem geplanten Start zur Venus ausgetauscht, nämlich drei Männer durch drei Frauen, darunter übrigens eine Russin.

Natürlich kommt es zur Zündung der chinesischen Superbombe, und die Astronauten müssen mitansehen, wie ihnen die Erde unter dem Hintern explodiert. Somit ist die Astra zu einer Art Arche geworden und ihre neue implizite Mission nicht weniger als der Erhalt der menschlichen Rasse. Natürlich ergeben sich darauf Konflikte, erst Recht, als sich abzeichnet, dass aufgrund Energie-/Treibstoffmangels nicht alle Besatzungsmitglieder den Flug überleben können (der Grund dafür ist prächtige Technogebabbel), wenn das Ziel Venus erreicht werden soll.

Die Dramatik der Situation, die Spannungen und Liebeleien zwischen männlichen und weiblichen Besatzungsteilen werden ansatzweise ausgespielt. Natürlich nicht wirklich gut und ausreichend, aber mit mehr Sorgfalt, mehr Zeit und besseren Darstellern hätte daraus ein wirklich netter, spannender und mitreißender Film werden können.

So erreicht die etwas geschrumpfte Crew nach ein paar weiteren Verwicklungen zwar die Venus, wird dort aber von einer körperlosen Stimme ratzfatz abgewiesen und schließlich in die Weiten des geschickt resp. geworfen. Film aus.

Wenn man sich die Inhaltsangabe der deutschen Fassung in Heynes "Lexikon des Science Fiction Films" anschaut, scheint es, als in der deutschen Synchronisation die verquere Rest-Geschichte noch wesentlich verschlimmbessert, vielleicht der Film sogar umgeschnitten wurde.

Aber wie gesagt: Ich kenne nur die US-Fassung, die den Trash-Freund in mir durchaus amüsiert hat. Trotzdem überwiegt das Gefühl, dass "The Doomsday Machine" leider vor allem eine verschenkte Gelegenheit geblieben ist.

++ Kommentare ++

Ich war damals mit 8 Jahren im Jahr 77 im Kino. Hier wurde die Besatzung aber nicht abgewiesen, sondern über Funk von Bewohnern einer Sternenkette aufgenommen.

Danke für die Info; das passt zusammen mit der im Rezensionstext erwähnten (vorletzter Absatz) anscheinend anders aussehenden deutschen Fassung, wie sie im Heyne SF-Lexikon beschrieben wird.

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