++ In den Krallen der Venus ++
26 million miles from home and the little dolls are just the same.
Zsa Zsa Gabor ist wohl soetwas wie die Paris Hilton des 20. Jahrhunderts. Was übrigens nicht nur im übertragenden Sinne passt, denn eine ihrer acht Ehen (bzw. neun, wenn man eine weitere, wegen Bigamie ungültige, mitzählt) war mit dem Hotelier Conrad Nicholson Hilton. Jedenfalls hieß es von ihr immer wieder "die Schauspielerin Zsa Zsa Gabor", aber ich könnte mich nicht erinnern, vor dem vorliegenden jemals einen Film gesehen zu haben, in dem sie mitspielte, sondern ich kannte sie nur als Klatschpresse-Phänomen und Adoptiv-Adliger-Angetraute.
"Queen of Outer Space" (dt. "In den Krallen der Venus") ist mit dem Wissen um sein Entstehungsjahr 1958 natürlich schon alleine wegen des Titels Pflicht. Zweierlei anderes unterstützt dies:
Zum einen, dass in der "Gilmore Girls"-Folge 1x19 "Emily in Wonderland" Lorelai und Rory sich "Queen of Outer Space" im örtlichen Kleinkino anschauen - denn die Gilmore Girls regieren.
Zum anderen, dass der Film auf einer Geschichte des zweifach oscar-prämierten Drehbuchautors Ben Hecht basiert. Weniger wegen der Oscars, sondern da dies ist eine zu schöne Illustration des von dem auf diesen Seiten einschlägigen Schriftsteller Charles Fort vertretenen Prinzips ist, dass alles mit allem über graduelle und im kleinen kaum unterscheidbare Abstufungen verbunden sei. Denn Hecht war ein großer Bewunderer Forts, erfand das englische Wort "fortean" und war auch Mitglied der "International Fortean Organization". Dass die Legende besagt, Hecht habe die Story auf einer Party nach ein paar Drinks zuviel aus dem Stegreif zusammenfabuliert, spricht aus der Sicht des Trash-Freunds natürlich eher für "Queen of Outer Space".
Ansonsten wirkt "Queen of Outer Space" erstmal hauptsächlich wie ein Mittel, möglichst viele in knappen Klamotten gewandete junge, hübsche Damen auf einmal auf die Leinwand zu bekommen: Ein Truppe von drei Astronauten und einem älteren Wissenschaftler wird nämlich auf dem Weg zu einer Raumstation in ihrem Raumschiff von einem geheimnisvollen Strahl angezogen und zur Venus gesaugt, nachdem dieser Strahl zuvor die Raumstation zerstörte.
Erste Moral der Geschicht': Weibliche Ausstrahlung zieht Männer an - kann aber auch zerstörerisch wirken.
Auf der Venus herrschen inzwischen die weiblichen Venusianer, speziell deren maskierte Königin (nicht Zsa Zsa Gabor, die wohl kaum zugestimmt hätte, mehr oder weniger einen kompletten Film unter einer Maske zu verbringen), die nach einem Krieg und einer Revolte ihre Männer in eine Strafkolonie verbannt haben und nun ernsthafte Sorgen angesichts der technologischen Fortschritte der männlich dominierten Erdbevölkerung haben.
Zweite Moral der Geschicht': Männer, unterschätzt die Frauen nicht.
Speziell die Venus-Königin Yllana ist ein klitzekleines bisschen eingeschnappt, denn ihr Gesicht wurde von Strahlen während des Krieges übel verunstaltet (daher die Maskierung).
Dritte Moral der Geschicht': Krieg zerstört das Schöne und Gute und schafft Hass.
Nicht, dass "Queen of Outer Space" ein Manifest für den Feminismus wäre. Die Astronauten geben sich in ihrem Umgang mit den Venussen schon reichlich machohaft. Und die nach Männern durch die örtliche Politik ein wenig ausgehungerten Damen, speziell aus dem von Zsa Zsa angeführten Untergrund-Widerstand, haben damit anscheinend keine größeren Probleme. Und zusammen mit letzteren gelingt es den tapferen Erdlingen natürlich doch, die geplante präventive Zerstörung der Erde zu verhindern, die böse Königin zu stürzen, woraufhin Zsa Zsa den ihr gebührenden Platz als neue Führerin der Venusianerinnen einnimmt. Somit:
Vierte Moral der Geschicht': Antagonismus unterliegt, Zusammenarbeit obsiegt.


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