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++ Jetée, La ++

"La Jetée" ("die Landungsbrücke", "der Pier") von Chris Marker ist ein etwas anderer Science-Fiction-Film: Ein experimenteller französischer Kurzfilm (knapp 27 Minuten lang), der fast ausschließlich aus Standbildern besteht, dementsprechend im Vorspann auch "photo-roman" genannt wird, und übrigens die Vorlage und Inspiration für Terry Gilliams "Twelve Monkeys" war:

Im Paris nach dem dritten Weltkrieg hausen die Überlebenden in unterirdischen Gängen. Wissenschaftler experimentieren an Gefangenen, die sie zu Zeitreisenden machen wollen, damit sie aus der Vergangenheit und Zukunft dringend benötigte Hilfe in Form von Technologie und Vorräten besorgen können. Die meisten Gefangenen sterben dabei allerdings - oder werden verrückt. Nur bei einem gelingt die Transformation, der in die Zeit zurück geschickt wird, in der er als Kind auf dem Flughafen Paris-Orly eine junge Frau gesehen und einen Mord beobachtet hat: Die Erinnerung daran befähigt ihn, in diese Zeit zurückzukehren. Allerdings war es seine eigene Tötung als zeitgereister Erwachsener, die er als Kind erleben musste. Yep, "12 Monkeys".

Die Bezeichnung "Photo-Roman" ist natürlich nicht im strengen Sinne richtig. Denn die Faszination dieses Experiments, das das Verschwimmen von Erinnerung, Traumbildern und Wirklichkeit und die Relativität subjektiver Zeit in hypnotischem Schwarzweiß illustriert, ergibt sich gerade aus dem Wechselspiel zwischen den statischen Bildern und filmischen Techniken.

Denn anders als bei einem Photo-Roman etwa in einer Zeitschrift oder auch einer Graphic Novel ist der Rhythmus der Geschichte hier durch die Schnitte vorgeben, die mal hart, mal mit Überblendungen erfolgen. Außerdem gibt es einen Soundtrack (Musik und wenige Geräusche, etwa Herzklopfen und - auch im Original - deutschsprachiges Flüstern der Experimentatoren - eine Anspielung an die Experimente deutscher Wissenschaftler an Gefangenen im Dritten Reich?) und einen Off-Erzähler. Natürlich wirkt "La Jetée" durch die statischen Bilder viel fragmentierter als die meisten, in der Regel dem "Continuity Editing" unterworfenen Filme - was natürlich zur Fragmentierung der Zeit des Hauptcharakters passt.

Und natürlich erinnert die Technik des Zusammenschneidens von photographischen Bildern an viele historische Dokumentationen, in denen mangels bewegten Aufnahmen aus bestimmten Epochen gerne photographische Zeugnisse in ähnlicher Manier aneinander montiert werden. Ich bin aber nicht sicher, wie verbreitet dies im Enstehungsjahr von "La Jetée", 1962, schon war.

Den kompletten Film kann man sich übrigens in der englischen Fassung bei YouTube anschauen. Was ich empfehle, auch ganz unabhängig vom Einfluss "La Jetées" auf "Twelve Monkeys".

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