++ Journey to the Seventh Planet ++
Vom gleichen Autoren- (Ib Melchior) und Produzenten-Team (Sidney Pink), das uns schon "The Angry Red Planet" bescherte, stammt auch auch das SciFi-Kleinod "Journey to the Seventh Planet", das bizarrerweise in Dänemark gedreht wurde. Es ist dabei aber fast beruhigend zu wissen, dass nicht nur osteuropäische Filme von ihren US-Vertrieben gefleddert und nachbearbeitet wurden, sondern auch hier - sehr zum Unmut des Produzenten Sidney Pink - eben mal etliche Spezialeffekte ausgetauscht wurden, zum Teil sogar durch aus anderen Filmen entnommenes Material, weil die dänischen Bemühungen zu schlecht seien. Schade, schade, denn zu gerne hätte ich gesehen, was das dänische Team selbst auf die Beine gestellt hatte, wenn das noch mülliger als die schließliche US-Stop-Motion war.
Aber wie - ich kann es nicht oft genug betonen - so viele andere SciFi-Filme und -Geschichten hat auch "Journey to the Seventh Planet" mehr zu bieten als Kartonkulissen und müllige Monster. Thematisch teilt er sich nämlich das Terrain mit anerkannten Klassikern des Genres wie dem durch Shakespeare inspirierten "Forbidden Planet" (dt. "Alarm im Weltall") und der Tarkowski-Lem-Meditation "Solaris": Es geht um das menschliche Un(ter)bewusste und Vorstellungskraft.
Auf der einen Seite doziert die den Film eröffende Stimme aus dem Off: "There are no limits to the imagination and Man's ability to make reality out of his visions is his greatest strength. Through this skill, he has been able to conquer time and space." Auf der anderen ist es genau die Imagination, die für die fünf Astronauten, die den Weg zum Uranus, dem siebten Planet des Sonnensystems, antreten, dort die größte Gefahr darstellt. "Your own fears have created the means of your destruction", verrät deren lokaler Widersacher, das örtliche Raummonster, das obendrein - filmisch mit dem Holzhammer auf den winkenden Zahnpfahl einschlagend - ein riesiges Hirn-mit-Auge ist und somit "innere Anschauung" und "geistiges Sehen" als Umschreibung von Vorstellungskraft fast krude von innen nach außen stülpt. (Es gibt aber auch subtilere Momente, die auf anderen Ebenen ins gleiche Horn des Horrors durch Einbildung stoßen, etwa der folgende symptomatische Dialogfetzen während der Erkundung der Umgebung nach der Landung: "What's that?" "It's just the reflection of my torch".)
Das Uranus-Ungeheuer nutzt die Ängste und geheimsten Wünsche der Raumreisenden nicht nur, um daraus gefährliche Stop-Motion-Monster zu schaffen, sondern auch, um ihnen eine Art paradiesischer Heimstatt vorzugaukeln, die von ihren Traumfrauen bevölkert wird (die nicht ganz zufällig nicht nur wie dänische Schönheitskönigen aussehen, sondern deren Darstellerinnen wohl genau solche waren). Diese Hemmnisse können die Helden erst dann überwinden, als sie, den Kreis zur erzählenden Einführung des Films schließend, selbst die via Hirn-Auge stofflich gewordenen Phantasien kreativ, da auf unvorhergesehene Art und Weise, nutzen.
Im Übrigen gibt es in "Journey to the Seventh Planet" noch ein paar weitere kleine Besonderheiten. Zu allererst die Tatsache, dass es überhaupt Richtung Uranus geht, ein Planet, der, zumindest kommt es mir so vor, ansonsten eher stiefmütterlich behandelt wird. Die üblichen Verdächtigen sind halt doch Mond, Mars und Venus. Des weiteren die selbst für eine Low-Budget-Produktion ausnehmend kleine Besetzung (fünf Astronauten und sechs Fantasie-Frauen) des gesamten Films, was diesem aber einen passend intimen, trotz käsiger Weltraum-Szenerien fast kammerspielartigen Charakter beschert. Es wird sogar auf die sonst so obligatorische, wenn auch oft für die Geschichte überflüssige Bodenmannschaft im Kontrollzentrum verzichtet, sondern es werden die Protagonisten konsequent mit ihren selbsterzeugten Ängsten alleingelassen, die diese auch selbst überwinden müssen.


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