++ Lost Skeleton of Cadavra, The ++
Dass ich bei weitem nicht der einzige bin, der alte "trashige" Science-Fiction-Filme verehrt, beweisen unzählige Websites, die sich bei allen immer wieder augenzwinkernd vorgetragenen Schmähungen ausführlich und liebevoll mit solcherart B-Movies beschäftigen. Besonders hingebungsvolle Bewunderer gehen aber noch zwei Schritte weiter - und machen einfach ihren eigenen B-Film, getreu dem Motto, dass auch die Parodie eine Form der Hommage ist. Beides - Verarsche und Anerkennung - ist auch "The lost Skeleton of Kadavra".
Unter der Leitung von Autor, Regisseur und Hauptdarsteller Larry Blamire hakt das Team fast alle Klischees ab, die zu einem billigen schwarzweißen SciFi-Streifen für die zweite Hälfte eine Doppel-Features einfach dazu gehören: Ein erfundener Filmprozess mit pompösem Namen ("Skeletorama"), aberwitzige Expositions-Dialoge mit verbalem Holzhammer, ein Wissenschaftler als Hauptfigur, der auf der Suche nach einem exotischen radioaktiven Element ist ("Atmosphereum"), ein naives Blondchen, ein verrückter Wissenschaftler als Nemesis, ein außerirdisches Mutantenmonster (als albern-billiges Kostüm), Außerirdische, der versuchen, sich als Menschen auszugeben ("Aliens? Us? Is this one of your earth jokes?"), eine laszive Tierfrau, der Bronson Canyon (wieder einmal...) als Schauplatz, ein beseeltes Skelett, bei dem die Fäden, mit denen es bewegt wird, immer deutlich sichtbar sind, Gedankenkontrolle/Hypnose, Raumschiffkulissen aus Alufolie und Pappe, unmotiviert eingebauter Ausdruckstanz (gleich zweimal) und wahrscheinlich noch mehr, das ich jetzt vergessen habe. (Trotz dieser Ideenfülle ist "The lost Skeleton of Kadavra" mit knapp 90 Minuten vielleicht etwas zu lang geraten, ein bisschen Leerlauf gibt es - allerdings gab es den auch bei den Vorbildfilmen zur Genüge...)
Zwar ist der Film ähnlich den Vorbildern nüchtern inszeniert und auch die Darsteller geben sich Mühe, zwar mit mehr als breiten Strichen, aber doch ernsthaft zu schauspielern, aber dennoch ist vor allem durch die übertrieben absurden (allerdings immer wieder auch sehr komischen) Dialog sofort klar, dass es sich nicht um eine reine Neu-/Wiederschaffung des Filmstils, sondern um eine Parodie handelt. Daher fällt es auch nicht stark ins Gewicht, dass einige Elemente doch nicht ganz zu den Vorbildern aus den 50er oder frühen 60er Jahren passen. Die Bildqualität z.B. ist dann doch ein wenig zu sauber, zu glatt, und vor allem passen die Schauspieler (vor allem die beiden Wissenschaftler, Held und Bösewicht) nicht zu den Rollenstereotypen, die sich im Laufe der Jahre für die verschiedenen Parts herausgebildet haben.
Trotzdem: Vor allem für Genre-Fans hat "The Lost Skeleton of Kadavra" dank der vielen verbratenen klassischen Ideen und der absurden Dialoge genügend Spaßfaktor für einen unterhaltsamen Filmabend, aber auch wer nur jemals zwei oder drei der alten SciFi-Heuler im Fernsehen gesehen hat, dürfte noch ordentlich unterhalten werden.
P.S. Inzwischen gibt es von Larry Blamire und Co. eine weitere SciFi-Film-Parodie: Trail of the Screaming Forehead (zum Trailer).


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