++ Monster aus dem All ++
"Der grüne Schleim", wenn das nicht mal ein großartiger Filmtitel ist. Das dürften die deutschen Übersetzer von "The Green Slime" leider nicht so gesehen haben, als sie daraus "Monster aus dem All" machten. Hallo generisches Nichtssagen! Auf wiedersehn einprägsamer Hingucker! Also wirklich. Gegen "Monster aus dem All" gewinnt "grüner Schleim" jedenfalls ohne ins Schwitzen zu kommen und Satzverlust. Die Vorfreude steigert sich weiter, wenn man weiss, dass Kinji Fukasaku, späterer Regisseur des japanischen Kultfilms "Battle Royale", diese japanisch/amerikanische Co-Produktion inszeniert hat und dass es sich obendrein um eine Art 1968er-Nachfolge-Film der "Gamma Uno"-Tetralogie Antonio Margheritis handelt.
Heute würde man vielleicht eher "Spin-off" dazu sagen. Die Idee zum Film stammt vom Drehbuch-Autor der Gamma-Uno-Reihe, Ivan Reiner, der hier auch als Produzent fungiert. Anscheinend spielt "The Green Slime" im gleichen Universum wie die italienische Vorlage (allerdings ist alles nicht so bonbonbunt, swinging-sixties-mäßig wie dort), jedoch nicht auf der Raumstation Gamma I, sondern auf Gamma III. Zusammen mit Gamma I sind leider auch die Bunsenbrenner-Laserwaffen verschwunden. Immerhin sind auch hier noch die Bauten in den Trickaufnahmen gleichermaßen billig gemacht und überdeutlich als Modelle zu erkennen. Leider schweben die Astronauten bei ihren Besuchen auf der Raumstation nicht mehr einfach frei durch den Weltraum von ihrem Raumschiff zur Station, sondern auf Gamma III gibt es sogar eine echte Raketengarage. Immerhin fackeln die Raketenantriebe ähnlich schön wie in den Filmen zuvor vor sich hin.
Diese kommen zum Einsatz, weil wieder einmal ein Asteroid auf Kollisionskurs die Erde bedroht (Klischee 1 abgehakt). Natürlich wird ein Team losgeschickt, um den Irrläufer zu sprengen. Die Leitung der Operation hat der quadratschädelige Commander Jack Rankin, der eigentlich schon seinen Abschied eingereicht hatte, aber für diese Mission reaktiviert wird (Klischee 2: abgehakt). Das wiederum schmeckt dem möglicherweise noch quadratschädeligeren Vince Elliott nicht, dem aktuellen Kommandeur von Gamma III und ein ehemaliges Mitglied von Rankins-Team. Beide sind bei einer früheren Mission aneinander geraten, und obendrein ist Elliot inzwischen mit Rankins-Ex-Freundin Lisa Benson verlobt (Klischee 3: abgehakt), trotz des Namens ein italienisches Rasseweib und Stationsärztin von Gamma I. (Das Liebesdreieck hat im Übrigen für den restlichen Plot des Film keinerlei wichtige Bedeutung. Das Plot-Klischee musste wohl wirklich nur abgehakt werden.) Nach der schließlich gelungenen Mission wird natürlich trotz aller Spannungen unter den Team-Mitgliedern erstmal gefeiert - und getanzt (mein Lieblingsklischee: auch abgehakt).
Aber der Schein trügt: Unwissentlich hat das Team von Asteroiden den titelgebenden grünen Schleim auf die Station geschleppt, der trotz, ja wegen (s.u.) der sorgfältigen Dekontamination sich rasend schnell vermehrt und zu einer Heerschar großartiger Monster in mehr als coolem, Über-Trash-Design heranwächst: Grüne Penisse auf Reptilienbeinen mit einer querliegenden roten Vulva, in der ein Zyklopenauge sitzt, bewehrt mit Tentakeln mit eletrifizierten, funkensprühenden Krabbenscheren an ihren Enden. Und die wunderbare knuddelige Quietsche-Geräusche machen, (fast) kosmische Cousins der Teletubbies sozusagen. Großes Tennis.
Diese Viecher erweisen sich als ziemlich fies, denn sie ernähren sich von Energie in jeder Form, die sie hemmungslos wachsen und sich vermehren lässt. Dadurch werden die typischen Strahlenwaffen und anderen Tricks der Helden, die übrigens aus mir nicht näher erkenntlichen Gründen in amerikanischen Motorradpolizistenhelmen herumlaufen, nicht nur wirkungslos, sondern sogar kontraproduktiv. Ich hätte mir erhofft, dass es nach dieser Erkenntnis der Helden mit guten alten archaischen, handfesten Mitteln zur Sache geht. Stattdessen lässt man reichlich radikal Gamma III einfach mitsamt der grünen Schleimer in der Erdatmosphäre verglühen. Schade.
Übrigens: Das Titellied des Films muss man gehört haben, um es zu glauben:


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