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++ Plan 9 aus dem Weltall ++

"Plan 9 from Outer Space" ist sicherlich Ed Woods Kronjuwel. Ich will gar nicht viel dazu schreiben. Der Film wird sowieso auf unzähligen Websites und in etlichen Buchbeiträgen behandelt, die seine Eigenheiten thematisieren: Den bizarren Plot mit Außerirdischen, die frisch Verstorbene zu Untoten machen, den Grabsteinen aus Pappe, Teppich als Rasen, dem Wechsel zwischen Tag und Nacht in ein und derselben Szene, dem stummen, gebrechlichen Bela Lugosi, dem Lugosi-Double, das allzu auffällig ständig mit einem Mantel sein Gesicht verdeckt, der winzigen Krypta, aus der für ihre Größe viel zu viele Personen kommen, Polizisten, die sich gegenseitig unwillkürlich mit der Pistole vor der Nase herumfummeln undundund.




Deshalb möchte ich nur kurz eine Facette des Wood'schen Schaffens ansprechen, die in den bisherigen Einträgen vielleicht noch nicht hinreichend gewürdigt wurde: Seine Dialoge.

Diese reichen von "nicht allzu originell, aber auch nicht zu schmerzhaft":

We're all interested in the future, for that is where you and I are going to spent the rest of our lifes.

über reinrassige Übertreibung des Redundanzprinzips zur Sicherstellung des Ankommens der Nachricht:

And remember my friend: future events such as these will affect you in the future.

über den Zuschauer nahezu sprachlos zurücklassendes

Then they attacked a town. A small town, I'll admit.

über Dadaeskes

The saucers are up there, the cemetary is out there, but I'll be locked up in there.

über reinen Unsinn

Atmospheric conditions in outer space often interfere with transmitting.

bis hin zu (wohl ungewollt) fast geistreichen Bonmots

- Modern women...
- Yeah, they've been that way all down through the ages.

++ Kommentare ++

"Plan 9..." setzt dem Woodschen Schaffen sicherlich die Krone auf. Der ganze Plot ist so überladen mit allem, was die zeitgenössischen Sci-Fi- und Horror-Genres hergaben und so bizarr verquirlt, dass der WTF?-Faktor neue Dimensionen erreicht.

Ich meine, wie zur Hölle wollen diese Außerirdischen die ganze Welt vernichten, wenn sie mit ihrem Plan 9 nicht einmal drei Untote vernünftig kontrollieren können? Warum hat der Chef der Außerirdischen eine Hellebarde auf der Brust? Überhaupt: warum sehen die Außerirdischen wie Menschen aus?

Gut, viele Fragen lassen sich einfach beantworten: mangelndes Budget. Dass dieses hauptsächlich von Baptisten bezahlt wurde, ist ein weiteres respektables Zeugnis von Woods Überzeugungskünsten und seinen Willen, über so gut wie alle Leichen zu gehen. Schließlich mussten sich die Akteure des Filmes (Tor Johnson, Vampira, Bunny Breckinridge und Ed Wood selbst) taufen lassen, um die nötige religiöse Reputation zu bekommen.

Der baptistische Arm zeichnet sich wohl auch für einen der Darsteller, den grobschlächtigen Piloten Jeff Trent (gespielt von Gregory Walcott), verantwortlich - man wollte doch gerne einen stereotypischen Helden an Bord haben.

"Plan 9..." ist in seiner Gesamtheit wohl das wirrste, das Ed Wood geschaffen hat (stellenweise wird diese Wirrheit noch in "Night of the Ghouls" übertroffen) und genau das macht die Faszination und den Charme dieses Epos' aus. Ich denke nicht, dass es sich lohnt, den Film öfter als einmal zu sehen. Aber einmal, doch, einmal sollte man ihn gesehen haben.

bester film ever

Ein Meisterwerk, das ich jetzt endlich gekauft habe. Das tolle daran ist, daß in diesem Film nicht die Realität abgebildet wird, sondern wirklich "gespielt" wird. Wie hieß es doch im Bonusmaterial: Ed Wood verwendete Symbole der Spezialeffekten anstelle der Effekte selbst, die er verwendet hätte, wenn er Geld genug gehabt hätte. Ist das Kunst???? Ja, und es ist über alle Maße liebenswert!!!

Ed Wood war sicherlich nicht mit normalen Maßstäben zu messender Filmschaffender. Aber eins muss man ihm zugute halten: Er hat seine Träume realisiert, mit den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln.
Mittlerweile existiert übrigens von "Plan 9" eine colorierte deutsch synchronisierte Fassung :)

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