++ Planet der Vampire ++
"Planet der Vampire" (Regie: Mario Bava, Buch: Ib Melchior) macht einmal mehr klar, warum synchronisierte Filme anzuschauen etwas für Hasardeure ist. Auf der englischen Tonspur wird deutlich verständlich das Wort "sharpen" geäussert, in den deutschen Untertiteln und auch auf der deutschen Tonspur aber das beinahe gegenteilige "entschärfen". Hm? Im Verlaufe des Films wimmelt es vor etlicher weiterer solcher, teilweise stark sinn-verändernden Unterschiede. Das hat der Film mit dem etwas albernen deutschen Titel nicht verdient. (Wahrscheinlich wurde "Terrore nello spazio", also eigentlich "Terror im Weltraum", auf Italienisch gedreht, möglicherweise auch auf Englisch oder in einer Mixtur: die Dialoge der englischen Darsteller sehen in der englischen Fassung jedenfalls nicht synchronisiert aus, die der italienischen teilweise schon).
"Planet der Vampire" wird gerne als möglicher Einfluss auf "Alien" genannt, was Ridley Scott aber meines Wissens abstreitet. Die Grundprämisse ist allerdings recht ähnlich: ein Raumschiff landet auf einem entfernten, unwirtlichen Planeten, um ein von dort stammendes mysteriöses Signal zu untersuchen. Dabei finden in einer sowohl optisch eindrucksvollen als tatsächlich dem entsprechenden Gegenstück in "Alien" sehr ähnlichen Szene die Raumfahrer auf dem Planeten ein offensichtlich bereits vor längerer Zeit dort gelandetes Raumschiff einer fremden Rasse, in dem sich nur noch Skelette toter Außerirdischer finden.
Es stellt sich schließlich heraus, dass eine Rasse körperloser Wesen mit dem Signal Raumfahrer anzulocken versucht, um sicher derer Körper zu bemächtigen und ihrem sterbenden Heimatplaneten entkommen zu können. Allerdings können die Wesen einen Wirtskörper nur besetzen, wenn der entsprechende Mensch bewusstlos oder tot ist. Daher würde "Planet der Vampire" eigentlich besser "Planet der Zombies" heissen, da die von den Ausserirdischen getöteten Menschen durch sie wieder belebt, also Quasi-Untote werden. Die Geschichte spielt also mit der Angst des Menschen, nicht mehr sie/er selbst zu sein - ein Zustand, dessen radikalste Ausprägung der Tod ist, hier werden aber auch Schlaf und Bewusstlosigkeit mit dem Tod in eine Reihe gestellt.
Dem Entstehungsjahr 1965 entsprechend ist die tricktechnische Umsetzung ziemlich primitiv, die Kulissen sind einfach und die Schauspieler hölzerner, als selbst ihr später zombiefiziertes Wesen es verlangen würde. Trotzdem macht "Planet der Vampire" Spass - und nicht nur wegen des B- in B-Movie.
Bavas Einstellungen sind sehr ruhig und elegisch - auch das erinnert an Alien (oder doch andersrum?) -; seine Bilder sind fast alle in düstere, dominante Rot- und Grüntöne getaucht, die dem ganzen einen surrealen, aber eindringlichen Touch verleihen und die Untote-Idee (inklusive des dramatischen Auferstehens aus Gräbern, hier nur im futuristischen Umfeld inklusive metallischer Grabplatten und Plastikhüllen statt Särgen) durchaus ansehnlich in den Weltraum verlegen. Für Genrefreunde (SciFi und gemäßigter Horror) mit Spaß am Verstaubt-Nostalgischen ist "Planet der Vampire" also auf jeden Fall eine Empfehlung wert.


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