++ Planet der Stürme ++
Ich weiss auch mehr nicht genau, wie ich an "Planeta Bur" geraten bin ("Planeta Burg ist der Titel der US-DVD, die ich ursprünglich erworben habe; der deutsche Titel ist "Planet der Stürme". Eine DVD der DEFA-Fassung ist inzwischen auch erschienen), einen russischen Science-Fiction-Film aus dem Jahr 1962. Wahrscheinlich war es eine der unvermeidlichen Verkettungen von Links und interessanten Kommentaren, in die ich beim Netzsurfen immer wieder gerate, und die darin resultiert haben, dass ich inzwischen meine Kreditkartennummer auswendig kann. Jedenfalls gibt es in den Weiten des Netzes für anscheinend jedes Sperenzchen jemanden, der es bedient, so auch spezielle auf - oft schreckliche, aber darum geht es ja - 50er- und 60er-Jahre SciFi- und Horrorfilme spezialisierte Läden.
Dabei ist "Planeta Burg" nicht einmal besonders schlecht. Eher im Gegenteil: ein zwar etwas käsiger, am im Großen und Ganzen solider, teils sogar ansprechend gemachter, wenn auch nicht an heutigen Standards zu messender Science-Fiction-Film, der aufgrund seiner Herkunft mit einigen charmanten Besonderheiten aufwarten kann.
Auffällig ist zum einen, dass im Gegensatz zu vergleichbaren westlichen Filmen die russischen Raumschiffe, die in "Planeta Burg" auf einer Expedition zur Venus sind, nicht auf "futuristisch" getrimmt sind: sie sind eng und ihre Interieurs erinnern an U-Boot-Innereien. Die Instrumente und Armaturen wirken ebenfalls so, als ob sie tatsächlich benutzt würden und nicht nur Kulissen aus Haushaltgegenständen oder Pappmaché seien.
Aber natürlich ist "Planeta Burg" kein realistisches Abbild eines Raumflugs und soll es wohl nicht sein: auch die Russen werden kaum - wie im Film zu bewundern - Dinosaurier auf der Venus erwartet haben. Den amerikanischen Produzenten Roger Corman dürfte das jedenfalls gefreut haben: er kauft die Rechte an dem Film und schlachtete ihn für gleich mehrere Produktionen aus ("Voyage to the Prehistoric Planet" und "Voyage to the Planet of Prehistoric Women"), für die er die für ihre Zeit ordentlichen (zumindest auf der eher verwaschenen Abtastung, die in DVD-Form in meinem Regal steht) Effekt-Passagen aus "Planeta Burg" verwurschtete und so Produktionskosten einsparen konnte.
In einer Produktion aus der Sowjetunion weniger verwunderlich scheint, dass anscheinend auch in ferner Zukunft eben diese noch exisiert und SU und Partei für den Ausflug ins Sonnensystem verantwortlich sind (erstaunlich nur, dass der mitgeführte Roboter "John" heißt und sein Entwickler den wenig russischen Namen "Kern" hat). Westliche SciFi-Werke ähnlicher Machart (also "Space Operas" in vergleichsweise ferner Zukunft) scheinen mir meist entweder noch indifferenter oder eben kritischer gegenüber dem politischen System ihrer Herkunft positioniert.
Besonders pittoresk fand ich, wie locker und fröhlich die russischen Kosmonauten auch in mehr als unwirtlicher Umwelt und bedrohlichen Situationen blieben: auch ohne Wodka immer für einen Scherz und einen Lacher zu haben - was manchem anderen bierernsten Zukunftshelden gelegentlich auch gut stehen würde.


Als Russischstudentin, die sich den Film im Zuge einer Vorlesung ansehen musste, habe ich die kleine Anmerkung, dass der Titel "Planeta Bur" heißt. (планета бурь) Woher in der Transliteration das "g" zu Burg kommen soll, ist mir rätselhaft.
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