++ Rache des Würgers, Die ++
Der verstoßene Wissenschaftler im Exil Dr. Vornoff will mit seinen Experimenten in einem unheimlichen Haus im Sumpf mit Hilfe der Kraft des Atoms eine Übermenschenrasse schaffen. Versuchkaninchen besorgt ihm sein stummer und - wenn auch leicht übergewichtiger - hünenhafter Diener Lobo. Als immer mehr Menschen verschwinden, ruft dies einen alten Kollegen, eine schöne Reporterin und die Polizei auf den Plan. Was natürlich für Vornoff kein gutes Ende nimmt, da - Überraschung - seine eigene Kreatur sich gegen ihn wendet. Trotzdem gab's ein paar Jahre später mit "Night of the Ghouls" eine Art Fortsetzung.
Anders als bei "Glen or Glenda" und "Jail Bait" bewegt sich Ed Wood mit "Bride of the Monster" auf SciFi-Terrain, und hier macht sich das fehlende Budget zum ersten Mal schmerzhaft bemerkbar. Die Rückwand von Vornoffs Labor ist offensichtlich nur bemalte Pappe, die Eingangstür zu seinem Haus sieht von innen komplett anders aus als von außen, die Nachtszenen sind arg düster, die Beleuchtung innen oft zu auffällig. Der Polizei-Kommissar hat im Revier einen Vogel auf seiner Schulter sitzen, und das Oktopus-Monster im See nebenan ist allzu deutlich unbelebt und aus Gummi (angeblich wurde das Requisit von Woods Crew illegal benutzt, und man vergaß, den zugehörigen Motor zum Bewegen der Tentakel ebenfalls zu "borgen").
Natürlich darf auch Woods Angora-Fetisch nicht fehlen: Lobo liebkost die Angora-Mütze der gefangenen Reporterin, kurz bevor er sie befreit, da sie zu einem von Vornoffs Versuchsobjekten werden soll.
Aber ehrlich gesagt: Diese ganzen Ungereimtheiten und Billigkeiten fallen nur punktuell ins Auge. Auch "Bride of the Monster" ist im Großen und Ganzen nicht wesentlich schlechter als andere Mad-Scientist-Werke aus jener Zeit. Im Gegenteil: Andere 50er-B- und C-Movies sind quälend zäh und langweilig. Das ist "Bride of the Monster" nicht. Und so sehr Bela Lugosi zu einer Karikatur seiner selbst verkommt: Seine bizarren Grimassen, sein Over-Acting und seine immer noch grazilen, unverkennbaren Bewegungen verleihen dem Film einen Reiz, den viele andere zeittypische Produkte mit ihren Holzschnitt-Darstellern nicht aufweisen können.


Der alternde Bela Lugosi scheint dazugelernt zu haben. Vergleicht man "Bride of the Monster" mit dem 31er "Dracula", dann ist vor allem hervorzuheben, dass er mindestens zwei Grimassen (aufgesetztes Grinsen, aufgesetztes Kichern) dazugelernt hat; die Closeups seines Gesichts mit hypnotisch durchdringenden Augen und hochgezogenen Brauen gehören ja seit je her zum Standardrepertoire.
Und trotzdem das alles bekannt ist, macht Lugosi diesen Film zu etwas besonderem. Seine komplett affektierte und trotzdem abstrus authentische Aura gibt dem Film das nötige Volumen, um nicht in der unterhaltungsarmen Bodenlosigkeit zu verschwinden, die viele dieser Mittfünfziger Horrorschinken geschluckt hat.
Dafür sorgt aber nicht nur Lugosi. Auch der unfreiwillig(?) komische Tor Johnson brilliert als Lobo, eine Art Frankensteins Monster, dessen knuddeliger Anzüglichkeit nur mit Peitschenhieben beizukommen ist und der eine auffällige Vorliebe für Damenhüte hat (der laut Udos Ausführungen wohl ein Fetisch Woods zu Grunde liegt).
Was bleibt sonst? Der Plot ist stumpf und vorhersehbar, lediglich kleine Gimmicks, wie der Versuch, das Geheimnis um das Monster von Loch Ness zu lüften (obwohl dort nie die Rede von einem verstrahlten Oktopus die Rede war), oder der zahme Vogel des Chief Inspectors sowie dessen, auf seinem eigenen Schleim ausrutschenden, speichelleckenden Officers sind originell.
Trotz der Stumpfheit und eben Dank des guten Casts ist "Bride of the Monster" für einen kurzweiligen Kinoabend, bei dem gelacht werden darf, bestens geeignet.
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