++ ++

++ Red Planet Mars ++

1952 war kein gutes Jahr in Sachen SF-Kino: Es wurde nur wenige SciFi-Filme produziert, darunter fast keine aus dem Kernbereich der Science Fiction. Einer der interessantesten Beiträge aus diesem Jahrgang ist "Red Planet Mars". Dieser ist vielerorts als religiös-antikommunistischer Propaganda-Streifen verschrieen - was wohl auch stimmt. Aber auch bzw. gerade ein solcher Film kann anregend wirken.

Zuerst fällt die Ähnlichkeit der Prämisse zu Carl Sagans "Contact" auf: Der US-Forscher Chris Cronyn empfängt ein Signal vom Mars, das offensichtlich intelligenten Ursprungs ist. Als die Nachricht vom roten Planeten schließlich dekodiert wird, ergeben sich daraus tiefgreifende gesellschaftliche Umwälzungen auf der Erde. Aber es bleiben letztlich Zweifel, ob alles so war, wie es den Anschein hatte, da die relevanten Beweise vernichtet wurden oder nie vorhanden waren.

Während aber Sagan seine Hauptfigur Eleanor Arroway via Wurmloch auf hochintelligente Außerirdischer treffen ließ, die die Menschheit sanft auf eine Existenz in einem größeren kosmischen Ganzen vorbereiten wollen, entpuppen sich in "Red Planet Mars" die Radionachrichten als Botschaften von Gott: Anscheinend besteht auf dem Mars eine utopische Gesellschaft, deren Anführer niemand geringerer als der Heiland Jesus Christus ist. Als dies bekannt wird, erstaunt dies nicht nur die gesamte Weltöffentlichkeit, sondern die tief in ihrem Inneren überaus gläubig gebliebenen Russen graben ihre Kruzifixe wieder hervor, und es gibt eine christliche Revolution, die das kommunistische Regime stürzt.

Moment! War die Revolution vielleicht ein wenig voreilig? Denn hoch auf einem Berg in den Anden (übrigens direkt unter einer Jesus-Statue) saß der Ex-Nazi-Wissenschaftler Franz Calder, der im Auftrag der Sowjets - vor der Revolution natürlich - die Kommunikation der Amerikaner mit dem Mars abgehört hatte. Und nicht nur dies. Calder behauptet nämlich schließlich, die Antworten des Mars gefälscht und sogar selber gesendet zu haben. Aber als Calders Ausrüstung zerstört ist und dennoch eine letzte Botschaft vom Mars in Cronyns Labor ankommt (das ebenfalls kurz darauf in die Luft fliegt), scheint nur ein göttlicher Ursprung der Nachrichten in Frage zu kommen. Vielleicht.

Der Natur der Sache nach (und wahrscheinlich der Tatsache geschuldet, dass es sich um eine Verfilmung eines Bühnenstücks zu handeln scheint) ist "Red Planet Mars" ein geschwätziger Film: Die Akteure reden und spekulieren viel. Die Marsianer selber treten abseits ihrer vermeintlichen Botschaften nie in Erscheinung bzw. ins Bild. Der Science-Fiction-Anteil beschränkt sich also auf die Idee, dass auf dem Mars intelligentes Leben sein könnte, mit dem die Menschheit in Kontakt tritt, sowie auf ein wenig Techno-Gebabbel was die Laborausstattung angeht, die diese Kommunikation möglich macht. Außerdem gibt es hier und da noch ein paar für die Geschichte selber unwesentliche Details, die den SF-Anspruch des Films unterstreichen, so z.B. einen Flachbildschirm-Fernseher in Cronyns Wohnung (was aus der Sicht von 1952 gesehen sicherlich SF ist).

Ich bin ehrlich gesagt nicht ganz sicher, was "Red Planet Mars" letztenendes eigentlich will. Oberflächlich scheint er die Überwindung des Kommunismus durch den christlichen Glauben zu propagieren. Die Idee, dass Gott auf dem Mars bis dato unbemerkt sein ureigenes Reich verwirklicht hat, ist aber natürlich aberwitzig, so aberwitzig wie die Vorstellung, dass das kommunistische Sowjet-Regime mal eben so, fast nebenbei, durch einen Aufstand des christlichen Glaubens hätte gewaltsam gestürzt werden können.

Ich tue mich jedenfalls schwer damit, in dem Film westlich-christliche Propaganda zu sehen - wenn man seine Geschichte konsequent zuende interpretiert. Schließlich illustriert "Red Planet Mars" selber aufs trefflichste, dass es gar nicht auf den Wahrheitsgehalt des Glaubens ankommt, sondern nur auf die Tatsache, dass man überhaupt glaubt: Und dass es letztenendes egal sein könnte, ob ein Nazi oder Jesus selbst die gute Botschaft verkündet, scheint mir kein sehr rechtgläubiger Standpunkt zu sein - aber eben das ist eine Lehre, die man aus "Red Planet Mars" ziehen kann.

++ Kommentare ++

Strange

++ Kommentar hinzufügen ++

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.