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++ Spaceflight IC-1 ++

Egal, was Frauen sagen: Zwei Minuten können verdammt lange sein. Dies beweist der Prolog des britischen Films "Spaceflight IC-1" von 1965, in dem ein hochrangiger Militär regungslos herumstehend das Raumschiff IC-1 ("Interstellar Colony number 1") und dessen Besatzung erzählend vorstellt. Dass diese Exposition nicht in die Geschichte eingebettet, sondern zu Beginn auf den Film gepfropft wird, zeigt schon, dass "Spaceflight IC-1" kein sonderlich hochwertiges Produkt ist. Ein Kommentator auf der IMDb nennt ihn "cheap, boring (talky) British sci-fi", und ich finde wenig Gründe, um zu widersprechen. Nun gut: "Langweilig" hält sich sogar in Grenzen - aber nur, weil "Spaceflight IC-1 nur etwa 65 Minuten lang ist.

Im Jahr 2015 ist die "interstellare Kolonie Nummer 1" unterwegs zu einem "Erde 2" getauften Planeten, der als Ersatz für die überfüllte, ausgelaugte "Erde 1" getestet werden soll. Die Reise dorthin dauert 27 Jahre, allerdings sind nur 8 Männer und Frauen, drei männliche Kinder sowie ein Cyborg und vier in Stasis befindliche Mitreisende an Bord: Nicht gerade ein Generationen-Schiff.

Dass der Cyborg mitreist, spielt für die Geschichte keine echte Rolle und soll wohl nur den SciFi-Charakter verstärken. Der Cyborg besteht übrigens aus dem Kopf des Wissenschaftlers Dr. Garth, der mit einem seltsamen Körper aus Blech und Schaltkreisen versehen wurde, dessen Design ein wenig an die frühen Daleks erinnert. Seltsam ist dabei, dass Dr. Garth durch die Körper-Amputation anscheinend keinerlei Emotionen mehr empfindet: Gefühle scheinen für die Drehbuchautoren nicht ihren Sitz im Hirn zu haben.

Solche eingestreuten Zukunftswissenschaftselemente gibt es noch weitere, etwa die Methode, wie die mitreisenden Kinder im Schlaf lernen, die raumschiffeigene Aufzucht von Algen, die als Nahrungsmittel dienen oder ein holographischer Clown, der den Kindern die Gute-Nacht-Geschichte erzählt - alles Gimmicks, die für den - sowieso überschaubaren - Plot nicht wichtig sind - und sich auch ohne allzu großen Trick-Aufwand filmen ließen. Denn in Sachen Special Effects und/oder aufwändiger Drehweise gibt es von dieser Produktion selbst für ihre Entstehung Mitte der 60er Jahre nichts ambitioniertes zu berichten.

Als nach einem Reisejahr eines der Besatzungsmitglieder schwer erkrankt, kommt es zu einer Meuterei gegen den strengen, fast tyrannischen Captain, dabei wird eines der tiefgefrorenen Ersatz-Besatzungsmitglieder aufgetaut, welches aber durch die überhastete Prozedur als eine Art Zombie aufwacht.

Dieser Konflikt ergibt sich immerhin aus dem interessantesten Aspekt von "Spaceflight IC-1": In der Zukunft (des Films) haben anscheinend die Staaten der Erde freiwillig ihre Souveränität aufgeben und auf eine zentrale Instanz übertragen, die sich in der Folge zu einer Art Diktatur entwickelt hat, die die Freiheitsrechte des Einzelnen immer weiter eingeschränkt hat (und der Captain ist der strenggläubige, gehorsame Repräsentant dieses Regimes). Aus diesem Szenario scheint mir das typische britische Unabhängigkeitsstreben herauszuschimmern.

Ansonsten ist "Spaceflight IC-1" heutzutage nicht zu Unrecht fast vergessen.

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