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++ Unfall im Weltraum ++

"Unfall im Weltraum" ist eines der wenigen Beispiele dafür, dass eine Titeländerung im Ausland angemessen, vielleicht sogar eine Verbesserung ist. Der amerikanische Titel "Journey to the Far Side of the Sun" ist nämlich einerseits deskriptiver (er vermittelt gleichzeitig das Genre wie den groben Grundzug der Geschichte des Films), andererseits verrät er nicht wie der britische Original-Titel "Doppelgänger" vorab die Pointe.

"Doppelgänger" spielt nämlich mit einer reizvollen Idee: Dass auf der Erdumlaufbahn um die Sonne direkt gegenüber ein weiterer Planet, eine Art Spiegel-Erde zu finden ist. Im Film schickt die europäische Raumfahrt-Organisation "Eurosec" (ein weitsichtiges fiktionales Äquivalent der erst fünf Jahre später gegründeten ESA) ein bemanntes Raumschiff zu dem frisch entdeckten Planeten, welches dort (bruch-)landet - und feststellen muss, dass es sich im wahrsten Sinne des Wortes um eine Spiegel-Erde handelt. Denn - hier wird's eigentlich ein bisschen albern - der entfernte Planet sieht aus wie die Erde, auf ihm Leben die genau gleichen Personen, nur eben linksrum, d.h. fast alle Bewohner sind Linkshänder, die räumliche Aufteilung, sogar die englische Schrift ist dort spiegelverkehrt.

Tatsächlich hat die Spiegel-Eurosec ebenfalls eine Expedition zu ihrem Gegenstück losgeschickt, und als die Astronauten der anderen Erde Bruchlanden, denkt man zuerst, es seien die eigenen Leute, die die Mission frühzeitig abgebrochen hätten. Dies sorgt in der zweiten Hälfte des Films für die nötigen Irrungen und Wirrungen, um den Plot am Laufen zu halten.

In der ersten Hälfte geht es erstaunlicherweise vor allem um Politik und Spionage. Die eigentlichen Missionsvorbereitungen sowie der Flug zur Spiegel-Erde nehmen einen eher geringen Teil der Laufzeit in Anspruch. Stattdessen sieht man den Eurosec-Chef, der sich mit seinen Geldgebern und einem möglichen Spion aus dem Osten herumschlagen muss. Dieser Faden der Geschichte verläuft aber komplett im Sand und wirkt daher ziemlich unmotiviert, als ob damit Zeit geschunden werden sollte oder man einen Aufhänger brauchte, um die Techno-Gadgets des Doppel-Agenten vorführen zu können.

À propos: Die Tricks in "Journey to the Farside of the Sun" sind beachtlich. Dies dürfte an Produzent Gerry Anderson liegen, der damals bereits jahrelange Erfahrung mit Marionetten-Serien wie "Thunderbirds" hatte. Dementsprechend bauen die Trickaufnahmen hauptsächlich auf sehr detailreichen, obendrein überzeugend photographierten Modellen auf. Das Ganze erreicht zwar nie den Realismus des kurz vorher erschienenen, Maßstäbe setzenden "2001 - Odyssee im Weltraum", ragt aber trotzdem über die meisten 60er-Jahre-Filme hinaus.

Dies kann aber nur teilweise die an den Haaren herbei gezogene Entwicklung der Geschichte, die ein Gimmick bleibt, sowie die anderen inhaltlichen Schwächen wettmachen.

++ Kommentare ++

Die Musik zu dem Film von Gerry Andersons Hauskomponisten Barry Gray, ist einfach eine "Wucht" im wahrsten Sinne des Wortes. Die Musik ist mitunter einfach zu monumental für diesen Film - aber für sich gesehen einfach ein ganz großer Score, wo man bedauert, es nicht auf CD bekommen zu können. Da dieser Film gleichzeitig das Experimentierfeld für Andersons Beste und Klassische real verfilmte SF - Serie "UFO" sein sollte, finden sich hier schon viele Darsteller, Dekorationen und Tricks, die später auch in der TV - Serie wieder zu finden sind. Ich bedauere es sehr, dass es diesen Film (noch) nicht auch hier auf DVD zu bekommen ist. Nicht zu vergessen - der Hauptdarsteller des Filmes Roy Thinnes, war zu der Zeit schon durch seine TV - Serie: "Invaders" (Invasion von der Wega) kein unbekannter mehr....
Für Gerry Andersons Serien und Filme gilt: "Er will doch nur spielen!" deshalb wirken alle seine Produktionen mitunter immer etwas stereotyp. Tiefschürfende Storys wie bei "Star Trek" kann man da nicht erwarten, aber er lässt es immer so schön herrlich krachen - es macht einfach nur Spaß! Gute, solide SF - Unterhaltungskost - überzeugende Tricks!

Interessanterweise macht das Lexikon des SF-Films auf einen kuriosen, aber gravierenden Denkfehler des Films aufmerksam: Wenn die beiden Spiegel-Expeditionen gleichzeitig aufgebrochen sind, hätten sie exakt nach der Hälfte des Weges zusammenkrachen müssen - wie der Zeigefinger und sein Spiegelbild, wenn man auf den Badezimmerspiegel tippt ;-)

Nichtsdestotrotz: ein netter Film, den man sich ab und zu gern mal wieder ansehen kann.

Bin durch Zufall auf diese Seite gestossen, weil ich eben nach diesem Film (Unfall im Weltraum) - schon sehr lange - suche.
Kann mir jemand sagen, wo es den Film in deutscher Sprache zu kaufen gibt????
Danke

@Kalle:
[... Sorry, aber den Link musste ich rausnehmen; Udo]

Daaaanke Kalle! FREUU! Happy new Year

@Reimund:

Ja, das könnte man so denken, die beiden Raumschiffe wären sich aber dennoch nie begegnet. Um den Schwung der Erde auszunutzen, würde ein Schiff in die gleiche Richtung um die Sonne fliegen, wie es auch die Erde macht. Das "Spiegel"-Schiff wäre während des total gleichzeitigen Fluges (*räusper*) also auch immer "hinter" der Sonne und für das erste Schiff nicht zu sehen. Es würde dann auf der "Rückseite" unserer Erde landen.

Außerdem MUSS ein Schiff ja nicht der Erdumlaufbahn folgen, sie könnte ja auch die andere Seite über dem Nord- oder Südpol der Sonne erreichen.

Wenn ich allerdings wüsste, dass auf der anderen Seite ein Planet ist, dann würd ich ihm aber wohl entgegenfliegen. Theoretisch bräuchte ich auch nur kurz außerhalb des Gravitationsfeldes fliegen und dann ein halbes Jahr auf Spiegel-Erde warten;)

Ich habe mir jetzt über Amazon den Film aus GB bestellt. Er ist top - zwar in englischer aber auch mit englischen Untertiteln, so bekommt man wenn man das Schulenglisch noch beherrscht eigentlich alles mit.

Der Film ist in deutscher Sprache auf den meisten DVD Filmbörsen
zu finden.Termin und Ort einfach googeln.
Auch eine bekannte deutsche Fan Seite von Gerry Anderson vertreibt den Film in deutsch.

Der Film befindet sich im Fundus des Sender "Sky" und wird dort derzeit (August 2010) regelmäßig gezeigt.

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