++ Ungeheuer ohne Gesicht ++
Wenn ein Gedanke in die Welt hinaus geschickt wird, kann er ein Eigenleben entwickeln und sich unter Umständen gegen seinen eigenen Urheber richten, der über ihn keine Kontrolle mehr hat, sobald er ihn aus dem eigenen Kopf befreit hat. Der bemerkenswerte SciFi-Horror-Streifen "Fiend without a face" (dt. "Ungeheuer ohne Gesicht") nimmt diesen Gedanken über Gedanken und verleiht ihm bildliche Form, in dem er den Gedanken, um die es in ihm geht, schließlich körperliche Form verleiht.
Neu ist diese Idee nicht gerade. Die Theosophen Annie Besant und C.W. Leadbeater vertraten bereits 1901 in ihrem Buch "Thought-Forms" Thesen, die sich wie direkte Vorläufer dessen, was schließlich in "Fiend without a Face" auf die Leinwand gebracht wurde:
We have then a thought-form pure and simple, and it is a living entity of intense activity animated by the one idea that generated it. If made of the finer kinds of matter, it will be of great power and energy, and may be used as a most potent agent when directed by a strong and steady will. [...]
Such a thought or impulse becomes for the time a kind of living creature, the thought-force being the soul, and the vivified matter the body.
Das esoterische Theosophen-Geschreibsel brachte zwar einige hübsche künstlerische Darstellungen von "Gedanken-Formen" hervor, aber "Fiend without a Face" ist letztenendes natürlich bei ähnlichem Inhalt wesentlich unterhaltsamer. Schließlich ergibt sich hier wenigstens im wilden Finale die Gelegenheit, die schließlich körperliche Form erreichenden verselbständigten Gedanken bei ihrem Massenangriff schön glitschig abzumurksen. Die Gedanken erscheinen nämlich als hübsch stop-motion-animierte nackte Gehirne plus anhängendem Rückenmark und mit bizarren Stilaugen (vgl. der Hirnmonster in "Journey to the Seventh Planet", auch ein Film, in dem es um die Kraft der menschlichen Vorstellung ging), die schleimig zerplatzen, wenn man sie etwa mit einer Axt bearbeitet...
Neben dem unvergesslichen Monsterdesign und der zugehörigen sehr ordentlichen Animationsarbeit eines ansonsten nahezu unbekannten deutschen Teams sind ebenfalls die Soundeffekte bemerkenswert. Zum einen hört man auf dem experimentellen Militärflughafen, der einen Teil des Rahmens der Geschichte abgibt, immer wieder Flugzeuge starten, landen oder im Tiefflug vorbei fliegen, was die entsprechenden Szenen viel stärker in der Geschichte verankert, als es in sonst oft in statischen, sterilen Studio-Bauten der Fall ist, die von der Außenwelt abgeschnitten wirken - weil sie es während des Filmens auch waren. Zum anderen machen sich die Monster anfangs vor allem über ein unangenehmes aufdringliches Schlürfgeräusch bemerkbar, eine akustische Schleimspur quasi.


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